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nachts

Donnerstag, 9. April 2009

Party in der Limmerstr. II

Wie bereits angekündigt, fand Anfang Februar die Limmerstr.-Jubiläumsparty statt. Da der blöde Psycho-Nachbar diesmal bestimmt das SEK gerufen hätte oder mit einem Flammenwerfer in meine Wohnung gestürmt wäre, entschied ich mich dafür, externe Räumlichkeiten für meine Zwecke anzumieten.
Nach einem langen Entscheidungsprozess stand dann außerdem fest, dass ich Besuch von einem Mädchen bekomme, das gern pink trägt und für mich gleichzeitig der Höhepunkt der Party sowie Überbringerin des schönsten Geschenks werden sollte.

Zum Glück hat eine Freundin, die auch etwas zu feiern hatte, mit dem langhaarigen Sozialpädagogen-Hippie gesprochen, der die Vermietung organisierte (man merkt sofort, dass die Leute in diesem Stadtteil anders sind), ich bin mir sicher, dass ich dabei nicht hätte ruhig bleiben können.
Der Nachteil daran war, dass ich mich dann auf meiner eigenen Party in einem blöden Jugendzentrum wiederfand, dessen Wände mit Fotos von dämlich in die Kamera grinsenden Migrantenkindern bei irgendwelchen Kuschelpädagogikveranstaltungen á la 'Igel-Basteln für Intensivtäter' vollgehängt waren.

Egal, es war ja schon dunkel und ausserdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt 3 Platten Sushi in den Händen und wurde von einer Horde bereits auf mich wartender Gäste freudig begrüßt. Der DJ hatte abgesagt, so dass die Musik von mehr oder weniger betrunkenen Gästen aus zwei iPods ausgewählt wurde, bereits am Anfang der Party wurde das Stereo-Erlebnis durch eine auf den rechten Lautsprecher fallende Wodkaflasche zunichte gemacht. Da ich aber damit beschäftigt war, meine Geschenke auszupacken und Gäste zu begrüßen, fiel es mir auch garnicht weiter auf.
Irgendwann begann die Aura der Location zu wirken und ich fühlte mich wie zurückversetzt auf eine Kinderparty: ein Pärchen trennte sich angeblich, ein Gast wurde rausgeschmissen, weil er mit einem Mädchen rummachte (wahrscheinlich war da jemand eifersüchtig) und ich musste mich aufs Niveauloseste anpöbeln lassen. Zu dem Gerücht, ich hätte Sex mit einem Kerl und meinem weiblichen Stargast gehabt, sage ich an dieser Stelle bewusst nichts, weil die Mehrzahl der hier Mitlesenden sicherlich weiß, dass so etwas nicht meinem Stil entsprechen würde.

Am meisten überraschte mich, dass die iPods und die Geschenke in Spiritousenform die Party überlebten (was aber im Endeffekt sinnlos war, da der Mitbewohner einige Tage später fast die gesamten alkoholhaltigen Präsente bis auf den Champagner leerte)

Einen Tag später musste ich ein blödes Referat vorbereiten, auf die Frage der Kommilitonen, wie denn die Party gewesen sei, konnte ich in diesem Rahmen nicht ergiebig antworten; sie hätten es sowieso nicht verstanden.

Dienstag, 24. Februar 2009

Party in der Limmerstr.

Vor einer längeren Zeit kam ich in die Verlegenheit, mal wieder eine förmliche Einladung zu einem rauschenden Fest über meinen Verteiler zu jagen. Neben einem großartigen DJ, Bier und Sushi besorgte ich auch eine Flasche Rotwein und ein Paket Ohropax, da in die Wohnung unter mir, die vorher lange Zeit unbewohnt war, ein älterer Herr eingezogen war. Dazu schrieb ich ihm mit meinem Schönschreibfüller eine nette Karte, in der ich mich schon im Voraus für eventuell auftretende Unannehmlichkeiten entschuldigte und für diesen Fall die Benutzung der Ohropax und das Öffnen des (wirklich famosen) Rotweins empfahl.

Irgendwann, als das Sushi-Buffet schon leergegessen war, nachdem irgendwelche Idioten eine meiner doppelwandigen Bodum-Tassen zerstört haben, und die Scherben unter das Sofa kehrten (Ich konnte glücklicherweise den Übeltäter mittels eines Fahndungsfotos ausfindig machen und zur Verantwortung ziehen), kam ein Gast aufgeregt auf mich zu und meinte, dass die Polizei vor der Tür stünde. Ich hielt es zunächst für einen schlechten Scherz. Obwohl ich nicht davon ausging, mich mit einer Flasche Rotwein für 15 Euro von allen Gesetzen ausnehmen zu können, hätte ich schon gedacht, dass derjenige, den es stören könnte, vielleicht erstmal den Gastgeber ansprechen würde bevor er petzen geht.

Ich nahm einen großen Schluck Wasser und begab mich mit einem nachtblauen Anzug, zu dem ich aus unerklärlichen Gründen Pantoffeln aus dem Wellness-Bereich des Steigenberger trug, auf den Flur, um die Sache zu klären.
Die beiden Polizisten waren aber relativ entspannt, sie sagten, dass die Musik schon in Ordnung sei, aber ich doch darauf achten solle, dass die spitzen Frauenschreie nicht so nach Draußen dringen.
Nachdem die Freunde und Helfer trotz Senkung des Lärmpegels von Frauen und Musikanlage noch zwei weitere Male in dieser Nacht zu Besuch waren, traf ich den Nachbarn am späten Nachmittag zufälligerweise im Treppenhaus. Er sah sehr fertig aus und fast wollte ich mich schon bei ihm entschuldigen. Doch er machte mir die Entscheidung leicht, darauf zu verzichten, indem er lospöbelte und mir vorwarf, dass plötzlich das Licht und die Musik abgestellt worden seien und man ihm nicht die Tür geöffnet hätte, nachdem er mehrmals versucht hätte zu klingeln. Und die Idee mit dem Wein wäre auch dumm gewesen, fuhr er fort, da er ein trockener Alkoholiker sei.
Ich ließ den Griesgram schimpfend im Treppenhaus zurück und fragte mich stattdessen, wie man trotz akademischer Ausbildung in dieser Art und Weise Manieren und guten Geschmack vergessen konnte.
Seitdem herrscht in der Limmerstr. ein klassischer Nachbarschafts-Kleinkrieg, der leider kurz vor der Etappe, auf der das Handgreiflichkeitsniveau erreicht wird, eingefroren ist. Die letzte Begegnung wurde freitagmorgens um 10.30 Uhr nach Androhung körperlicher Gewalt aus dem Untergeschoss und prompter Erwiderung derselben durch einen bedeutend sportlicheren und kräftigeren Freund des Hauses in Kombination mit der Aufforderung beendet, dass "der trockene Alkoholiker doch erstmal eine Flasche Wein trinken solle um wieder klarzukommen".
Dass ich ein friedlicher Mensch bin, muss ich hoffentlich nicht extra betonen.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Blut und Sperma

Irgendwann nach Heiligabend besuchte mich L. in meinem Hamburger Exil. Eigentlich plante ich eine Party in meiner Suite, da ich schon immer mal wissen wollte, wieviele Menschen dort mehr oder weniger komfortabel nächtigen können. Aber es kam nur L., dafür hatte er eine große Menge an hochwertigen Spiritousen in seinem Handgepäck, die wir verkosteten, bis es an der Zeit war, das Hotel zu verlassen. Im Le Fonque trafen wir den weiblichen Teil der Symbiose wieder und ließen dort zur Freude der Gäste und des Personals (der Barkeeper war genauso lahm wie an Heiligabend und mehr mit der Stillung seines eigenen Dursts beschäftigt) eine Flasche Wodka-Cola herumgehen. Am Hamburger Berg waren wir nur kurz, da dort alles mit betrunkenen 17-Jährigen verstopft war, L. war hinter den jungen Backfischen her, so dass ich ihn dort wegreißen musste, um danach mit ihm weiter ins Uebel und Gefährlich zu gehen. Der Laden ist im Obergeschoss eines alten Bunkers angesiedelt, es gibt sogar einen Fahrstuhlführer, der sich zu einem Alleinstellungsmerkmal des Clubs entwickelt hat, allerdings bräuchte er noch etwas Nachhilfe in Bezug auf verschiedene Konnotationen des Wortes "Nazi", auch in Verbindung mit der Geschichte der Location.

Auf dem Weg in den nächsten Club stolpere ich über irgendetwas und falle hin, was eine ziemlich große, blutige Sauerei anrichtet. "Ein Glück", denke ich, "dass ich meine fleckensichere Hose anhabe und dass Hemd und Sakko noch ganz sind". Haut und Knochen können nachwachsen, Stoff nicht.
28122008738
L. will mich ins Krankenhaus fahren lassen, nicht wissend, dass ich eine Abneigung habe, nachts öffentliche Krankenhäuser zu besuchen. Im Taxi streiten wir uns: er will ins Krankenhaus, ich wieder zurück ins Hotel. Fast fangen wir an, uns deswegen zu schlagen. Den Taxifahrer lässt das kalt, er und sein Taxi sehen so aus, als bekäme er solche Auseinandersetzungen drei Mal pro Tag mit. Am Ende setze ich mich durch und wanke noch vor Sonnenaufgang in mein zu dem Zeitpunkt noch blütenweißes Bett, nicht ohne vorher die süße, unsichere Auszubildende an der Rezeption um ein Pflaster zu bitten, dass ich später ungetragen in den Mülleimer entsorgen werde.

Am übernächsten Tag höre ich die Zimmermädchen tuscheln, dass den Tag zuvor ein Jüngling aus Zimmer 733 schlich und dass das ganze Bett mit Blut und Sperma besudelt gewesen sei. Hui, das muss eine Party gewesen sein!

Samstag, 3. Januar 2009

24.12.

Ich liebe den Kontrast, wenn ich in einem Hotel bin, das mehr Komfort als meine Wohnung in der Limmerstr. bietet und ich mir von dort aus ein Taxi in irgendwelche ranzigen Clubs bestellen kann. So ist es auch an Heiligabend geschehen: Nach einem erlesenen Menü mit Chardonnay, Carajillo und Port nehme ich mir eine kleine Auszeit und tausche meinen feinen Anzug gegen eine unkaputtbare Hose mit einem robusten Ausgehsakko, unter dem ich meistens eine Trainingsjacke zu tragen pflege. Um eins an der Sternschanze angekommen treffe ich einen jungen Mann, der mich spontan zu einem Bier aus einem Dönergrill einlädt. "Das ist auch dringend nötig", denke ich, denn ich bin fast schon wieder nüchtern. Endlich kommt A. um die Ecke, wir gehen zusammen ins Le Fonque, wo ich merke, wie erschreckend nüchtern ich noch bin, nachdem ich an der Bar zwei Jägermeister ausgegeben bekomme. Für A. ist es eine komplett neue Erfahrung, am Heiligabend nach den familiären Verpflichtungen noch wegzugehen, sie klagt mir ihr Weihnachtsleid, so wie es in diesem Moment alle tun, nur dass ein Großteil der Anwesenden dabei ziemlich lallt. Ich frage mich, warum wir uns so gut verstehen, obwohl wir eigentlich komplett unterschiedlich sind.
Den Preis für die beste Symbiose des Abends vergeben wir an ein Pärchen: Er hat einen Totalschaden und muss mit einem Weizenglas mit Wasser reanimiert werden, während sie wie ein Wasserfall auf ihn einredet und ihm ihr Leid klagt.

Nach einer Lücke von ein paar Stunden steige ich in ein Taxi, was mich pünklich um neun zum Frühstücksbuffet im Hotel absetzt.

Dienstag, 23. Dezember 2008

Komischer Wochenanfang

Was sind das eigentlich für Menschen, die einen weißen Audi TT fahren? Abgesehen davon, dass die Farbe gar nicht geht, ist das Ding eng und unbequem (selbst die hellelfenbeinfarbene C-Klasse, die mich zu dieser abgelegenen Lokalität brachte, war in dieser Kategorie besser).
Es wird auch nicht angenehmer, wenn zwei Ibiza-Boys vorne sitzen und dabei laut Mallorca-House hören. Der einzige Unterschied zwischen dem Klischee-Bilderbuch vor meinem inneren Auge zur Realität war, dass die Polizei das Auto noch nicht angehalten hatte, worauf ich aber inständig hoffte, während ich mir ausmalte, auf welche Drogen der Teststreifen wohl beim Fahrer anschlagen würde.
Und sowieso: "Ein Sportwagen ohne Lederausstattung ist auch kein Sportwagen", fällt mir ein, doch verzichte ich darauf, meinen Standpunkt an dieser Stelle zur Sprache zu bringen.

Aber mal von Anfang an: Party in einem bürgerlichen Viertel, es gibt keinen Kühlschrank, einen Schokobrunnen und dementsprechend auch viele Mädchen.
Ich langweile mich und beschließe, mit rot gekleideten Mädchen rote Limes zu trinken. Nach den ersten Naziwitzen des Abends setzt sich der Niveaulimbo fort, während jemand von der anderen Seite des Raumes versucht, mit einem Monolog über Eliteschulen in unsere Unterhaltung einzudringen. Als er merkt, dass sich niemand für ihn interessiert, fängt er an, über Computer zu reden und behauptet, dass Apple-Computer blöd seien, womit er sich selbst aus der Runde katapultierte.
Den Vogel abgeschossen hat allerdings jemand in einem rot-gestreiften Polo-Shirt, der anscheinend nicht verstehen konnte, wie und warum ich einen Krawattenschal trage (Mit Ascot-Knoten; selbstverständlich) und meinte, seine Bewunderung in unhöflichen Pöbeleien verpacken zu müssen. Deswegen entgegnete ich auf seine Frage, warum ich denn "so ein komisches Tuch" trage und ob so etwas in sei, dass ich es nur täte, weil ich mir keine feschen S.Oliver-Polohemden leisten könne. (Der Krawattenschal könnte übrigens wirklich günstiger als dieses gräßliche Polohemd gewesen sein; ich habe in Amsterdam am Waterlooplein einen tollen Laden entdeckt, der Krawattenschals in einer großen Auswahl und zu annehmbaren Preisen anbietet)
Wie erwartet, schien Zynismus ein Fremdwort für ihn zu sein, gerne hätte ich es ihm detailliert erläutert, doch da war er schon auf dem Balkon und eine junge Dame verriegelte die Tür hinter ihm.
Sie bedankte sich bei mir, dass ich geholfen hätte, den Störenfried auszusperren, der ihr den ganzen Abend schon auf die Nerven gegangen war.
Danach unterhielten wir uns über Anzüge von S.Oliver. Und lachten.

Samstag, 13. Dezember 2008

Wollt ihr die totale Amnesie?

Dann empfehle ich einen Besuch in einem Mädchen-Schnick-Schnack-Laden. Aber der Reihe nach:
Reißende Privatparty in einer Kleingartenkolonie.

Am nächsten Nachmittag erwachte ich halbnackt (das Hemd konnte ich noch aufknöpfen, an den Manschettenknöpfen bin ich allerdings gescheitert) auf meinem Flokati im Wohnzimmer. Nach zwei halbwachen Stunden in dieser Position wußte ich zwar immer noch nicht, was den Tag zuvor passierte, doch hatte ich zumindest genug Energie, mich mit meinem Macbook ins Bett zu bewegen, wo ich für den Rest des Tages Nahtoderlebnisse und diverse Halluzinationen erlebte. Ich hätte niemals gedacht, dass Miles Davis so psychedelisch sein kann. Aber wahrscheinlich war ich es eher.

Es ist nicht so, dass ich diese Seite an mir nicht kenne, trotzdem finde ich es komisch, dass ich mich am nächsten Tag auf dem Weg ins Büro immer noch fühle, als hätte ich 3 Tage nicht geschlafen. Ich weiß immer noch nicht, was zwischen den letzten Erinnerungen der Party und meinem Erwachen passierte, deswegen rufe ich H. an. Langsam kommt die Erinnerung wieder:

Irgendwann ging der Grey Goose zur Neige, deswegen nahm ich einen großen Schluck aus einer grob ähnlich aussehenden Flasche, was sich später als böser Fehler herausstellte. Es war eine Flasche Lampenöl, die ein blödes Mädchen der Mädchen-Gastgeberin als Zugabe zum pinken iPod und zur Öllampe schenkte und neben die Bar stellte.
H., mit dem ich ein gentlemens agreement bezüglich gegenseitiger Unterstützung bei der Notevakuierung des Mageninhalts habe, steckte mir meinen Finger in den Hals, (was sich im Nachhinein auch als Fehler herausstellte, da Lampenöl durch seine niedrige Viskosität, geringe Oberflächenspannung und den niedrigen Dampfdruck dazu neigt, beim Verschlucken oder Erbrechen in die Luftröhre zu kriechen oder eingeatmet zu werden) so dass sich eine große Menge Kappa-Makis mit Chardonnay und Wodka auf den Boden ergossen. Wenigstens blieben meine Schuhe und die Hose dabei sauber.
Sie wollten mich ins Krankenhaus bringen, doch ich lehnte schimpfend ab. Das letzte, was ich in dieser Situation gebrauchen konnte, war, in der Notaufnahme neben Prekariatsangehörigen zu sitzen, die sich nach einem verhurten Wochenende ihr eingeschlagenes Gesicht wieder richten lassen wollten. (Warum heißt es überhaupt Krankenhaus und nicht Genesungsanstalt?) Deswegen begleiteten mich H. und L. nach Hause und saßen neben dem Flokati, bis ich einschlief.

Da es mir immer schlechter geht, beschließe ich am späten Montagnachmittag, mich zum Arzt fahren zu lassen, der erste hat Urlaub, der zweite schickt mich direkt ins Krankenhaus. Da das für die Limmerstr. zuständige Krankenhaus in einer sehr prekären Umgebung liegt und ich immer noch keine Lust habe, in einer abgefuckten Notaufnahme zu sitzen, entschließe ich mich, ein abgelegenes Krankenhaus in einem gehobeneren Viertel zu besuchen. Da meine Fahrerin (eine Freundin) schon weg ist und ich in meinem Bewußtseinszustand keine Lust habe, neben einem fremden Menschen in einem Taxi zu sitzen, muss ich notgedrungen selbst fahren, es gibt glücklicherweise noch keinen Paragraphen, der die Teilnahme am Strassenverkehr unter Lampenöleinfluß verbietet, deswegen fühle ich mich einigermaßen sicher am Steuer.
Der weite Weg hat sich gelohnt: Ich musste keine zehn Minuten warten, schon wurde ich von einer bildhübschen Ärztin abgeholt. Normalerweise kennt sie Lampenölvergiftungen nur von kleinen Kindern, deswegen fragt sie zweimal nach. "Ich bin zwar schon über 18, aber vom Erwachsensein trotzdem noch weit entfernt, wie sie vielleicht merken.", antworte ich. Meine Schmerzen schiebt sie auf das Rauchen, schimpft über den ungezügelten Alkoholkonsum. Helfen konnte sie mir nicht, aber sie nahm mir wenigstens meine Angst, dass ich in den nächsten 24 Stunden an einer Lampenölüberdosis sterben könnte. Eine Woche später waren die Nachwirkungen dann auch schon vorbei und ich konnte wieder einem geregelten Tagesablauf nachgehen.

Freitag, 5. Dezember 2008

Silke

Was ist das bloß zwischen uns? Ich mag Deine ranzigen Sofas, den muffigen Geruch, der aus Deinem Keller kommt, die Toiletten, die nicht schallgedämmt sind, so dass man alle paar Minuten komische Geräusche nach draußen dringen hört, die Verballerten an der Kasse, denen man einfach seine wahllos Teile seiner Cent-Sammlung aus dem Portemonnaie auf den Tresen rotzen kann und vor allem die kostenlosen Salzstangen.
Einmal war ich mit B. und der Lindenprinzessin dort, damals war sie noch spießiger und sehr geschockt, von dem, was sie sah: zwei dickbäuchige Oben-ohne-Elektro-Männer gröhlten irgendwas in ihre Mikrofone, dann sprangen sie auf die Tanzfläche und suhlten sich auf dem Teflontanzboden. B. fand das witzig und suhlte sich mit, irgendjemand warf noch einen Stuhl drauf und fertig war die Dada-Installation. Ich ertappte mich, wie ich die Lindenprinzessin wegen ihres angewiederten Blickes fragte, ob das nicht zuviel für ihre spießige Perlenohrringwelt sei, woraufhin sie die Lokalität schnellstmöglich und womöglich auch wutschnaubend verließ.
So sind normalerweise die Abende in der Silke Arp-Bricht, es hat sich eine gewisse Normalität des Anormalen herausgebildet und man weiß wenigstens im Voraus, dass sich hinter der Kasse ein Irrenhaus unter Laborbedingungen befindet und kann sich dementsprechend darauf einstellen.

Aber was war das denn letztens bitte? Ich bin immer noch schockiert, da ich eigentlich nur ein Bier trinken wollte,ein paar Salzstangen abgreifen und dazu die Freaks beobachten. Was ich sah, verstörte mich zutiefst: Die Menschen auf der Bühne trugen Kostüme aus Müll und bewarfen sich mit diesem, die Geschlechtsteile waren nicht bedeckt und sie onanierten. Das Publikum bestand aus LSD-Hippies, genau wie die Band eigentlich auch (Eine Frage an die Experten: Bekommt man überhaupt eine Erektion, wenn man LSD genommen hat?), nur dass man dies nicht sehen konnte, da sie ja maskiert waren. Die Musik war ohrenbetäubender Krach. Zum Höhepunkt der Show steckte sich ein Mann auf der Bühne eine niederländische Fahne samt zugehörigem Stock in den Hintern.

Dieser Auftritt hat mich ruhig und nachdenklich gemacht.
http://www.myspace.com/fcknbstrds

Sonntag, 24. August 2008

Sodom und Gomorrha an der Limmerstr.

Jeder Mann, der sich sein Leben lang mit einer Frau begnügt,
wäre jenseits der Naturgesetze, wie jemand, der sich ausschließlich von Salat ernährt.

Guy de Maupassant

Pöbelnde Privatparty mit einem zwar äußerst gut angezogenen aber trotzdem lauten Mob von 23 Personen auf einem öffentlichen Platz, auf dem sonst nur Unterschichtsangehörige ihre tägliche Alkoholdosis konsumieren. Das Geburtstagskind bekommt sogar einen Geburtstagstisch mit Kerzen auf den Platz gestellt, so dass die Lindenprinzessin bei diesem Anblick prustend und mit nach unten geneigtem Oberkörper auf mich zutorkelt. Obwohl sie mit mir zu den Bestangezogensten des Abends gehörte, klassifizierte ich sie deswegen für ein paar Sekunden fälschlicherweise als Angehörige jenes Milieus, was sonst immer den Platz bevölkert.

Nach einiger Zeit verlagert sich die Party in ein angrenzendes Wohnzimmer, von dort aus ging es dann für einige direkt weiter ins Schlafzimmer. A und B teilten sich zunächst das erste Bett, C und D schliefen ihren Vollrausch auf dem Sofa aus und E okkupierte das andere Schlafzimmer. Da C und D sowieso zu nichts mehr in der Lage waren, übernehmen A und B in dieser Nacht die Vorreiterrolle was das Ausleben sexueller Gelüste anbetrifft. Nach kurzer Zeit steht A (männlich) auf und sagt, dass er sich mal kurz die Zähne putzen will. Doch anstatt sich seiner Mundhygiene zu widmen, geht er auf direktem Wege in das Zimmer von E, wo er das gleiche Programm nochmals abspult.



Damals, als es noch ein enges Korsett aus bürgerlichen Vorschriften in einer moralistischen Gesellschaft gab, mag obiges Zitat von Guy de Maupassant eine Provokation gewesen sein. In den letzten 100 Jahren aber hat sich die Gesellschaft in diesem Aspekt um 180° gedreht, so dass dieses Zitat heute anstelle einer antibürgerlichen Provokation vielmehr den status quo in einer Gesellschaft darstellt, die Promiskuität zur Norm erhoben hat. Desweiteren gibt es heute auch eine große Anzahl von Menschen, die sich sehr wohl nur von Salat ernähren und diese Art der Ernährung als natürlich betrachten.

Trotzdem ist die Definition von Promiskuität sehr vom Betrachter abhängig, oder wie eine US-amerikanische Sexualforscherin, deren Name mir leider entfallen ist, einmal sagte: "Promisk ist jeder, der mehr Sex hat, als Du."
Damit ist natürlich die negativ-wertende Konnotation gemeint, die in unseren Breiten schon seit Jahren nicht mehr auftaucht. Auch das alte Schema, nachdem eine promiskuitive Frau eine Schlampe sei, während ihr männliches Pendant dafür gesellschaftliche Achtung empfinge, empfinde ich als hoffnungslos veraltet, da es inzwischen sowohl männliche Schlampen als auch weibliche Stecher in ausreichender Anzahl gibt.

Kann man bei der postmodernen Promiskuität von einer Inflation der Bedeutung sprechen?

Marcuse unterscheidet zwischen Erotik und Sexualität, letztere erscheint übereinstimmend in hochsublimierter, ,vermittelter‘, reflektierter Form – aber in dieser Form ist sie absolut, kompromißlos, bedingungslos. Der Herrschaftsbereich des Eros ist seit Anbeginn an der des Thanatos. Erfüllung ist Zerstörung, nicht in einem moralischen oder soziologischen, sondern in einem ontologischen Sinne. Sie ist jenseits von gut und böse, jenseits gesellschaftlicher Moral und bleibt so jenseits des herrschenden Realitätsprinzips, das von diesem Eros abgelehnt und gesprengt wird. Herbert Marcuse, der eindimensionale Mensch (1967)

Als Realitätsprinzip sah Marcuse, stark vereinfacht ausgedrückt, das, was wir heutzutage als bürgerliche Gesellschaft definieren würden, ausgedrückt durch Institutionen wie z.B. die Ehe, wobei in spätkapitalistischen Gesellschaften das Leistungsprinzip die Unterdrückung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip unterstützt.

Diese unterdrückenden Prinzipien funktionierten nach dem Schema der repressiven Entsublimierung, welche die Triebe nur oberflächlich befriedigt und dabei ein falsches Bewusstsein aufbaut. Es ist so ähnlich, als würde man in einer Gesellschaft beheimatet sein, in der Erdbeerkuchen zwar einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft leistet, moralisch aber nicht akzeptiert ist. Da die Menschen aber Gelüste nach Erdbeerkuchen in sich tragen, wird ihnen einfach so viel Schwarzwälder Kirsch serviert, bis sie satt sind und wegen ihrer scheinbaren Sättigung ihre wahren Bedürfnisse vergessen.

Wenn man jetzt das Wort "Erdbeerkuchen" gegen Sexualität austauscht und für "Schwarzwälder Kirsch" Erotik einsetzt, wird es vielleicht klarer, was ich damit sagen möchte:
Gibt es im Zeitalter der Promiskuität 2.0, in dem sich wildfremde Leute über das Internet, nach verschiedenen Sexualpraktiken sortiert, zum Beischlaf verabreden noch eine reine, bedingungslose, unkontrollierte Sexualität oder ist die scheinbare Freizügigkeit zum Standard zum Standard geworden, weil billige, austauschbare "Erotik" überall verfügbar ist? Was ist der Preis für risikolose Befriedigung?

Donnerstag, 21. August 2008

Spätzünder

Kann es etwas schlimmeres geben, als mit Mitte 20 noch Jungfrau zu sein? Aus meiner Perspektive wäre das ein Grund, sein Leben vorzeitig zu beenden, doch der Punkt ist ja gerade, dass es den alten Jungfrauen an Vergleichswerten fehlt. Besonders tragisch an der Sache ist ausserdem, dass sie ihren Altersgenossen immer weiter hinterherhinken: während eine vorzeitige Ejakulation in der Altersklasse 15-17 noch akzeptiert zu sein scheint, muss ein Mittzwanziger der potentiellen Partnerin für eine Nacht heutzutage ja schon einen Bachelor in Cunnilingus vorweisen, bevor er sich ihr nähern darf.
Vgl.: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,571107,00.html

Sonntag, 10. August 2008

Weicheier

Wenn man eine Privatparty plant und dann von seiner Freundin verlassen wird, warum zum Teufel feiert man diese verdammte Party dann nicht, so wie es sich gehört, sondern steht wie ein Häufchen Elend in der Tür, um den Fast-Gästen zu verkünden, dass die Party nicht stattfindet?

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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