Über ästhetischen Vegetarismus und Catering-Nazis bei TUIfly
In der achten oder neunten Klasse las mein großartiger Kunstlehrer aus einem Buch von Roald Dahl vor.
Es ging um einen Jungen, der vegetarisch erzogen wurde und, nachdem er erwachsen geworden ist, in die große Stadt ging, um ein Schnitzel zu probieren. Da ihm das Schnitzel so gut schmeckte, entschließt er sich, herauszufinden, wie so etwas gemacht wird und besichtigt einen Schlachthof. Die Geschichte endet damit, dass man ihn an einem Haken aufhängt und ihn schlachtet. Weil alle Schnitzel nämlich aus Leuten gemacht werden, die sich ein Schlachthaus mal von innen anschauen wollen.
Zu sagen, dass mich diese Geschichte zum Vegetarier gemacht hätte, wäre vermessen und oberflächlich. Denn eigentlich war ich schon immer ein schwieriges Kind, was das Essen anbetraf. Wenn meine Mutter sonntags einen Braten machte, spürte ich passend zur Ausbreitung des Geruchs den Brechreiz in mir aufsteigen.
Doch danach dachte ich gründlich über meine Essgewohnheiten nach und kam zu dem Schluss, dass 99,9% aller Fleischprodukte mir eigentlich nicht schmecken und daher für mich überflüssig sind. Deswegen bin ich ästhetischer Vegetarier. Trotz der vielbeschworenen Solidarität unter den Vegetariern mag ich keine ideologischen Vegetarier. Weil ich keine Ideologie mag. Und auch keine Vegetarier.
Ausnahmen sind die 0,1% der fleischhaltigen Gerichte, die mir schmecken, wie z.B. Sushi mit Ente (großartige Erfindung; bei Steffen Henssler probiert); Scampi im Speckmantel (noch besser: mit Serranoschinken) oder Gänseleberpastete. Ja, ich weiß, dass die Tiere gelitten haben. Aber dafür genieße ich es bewusst, denn wenn mir etwas schonmal schmeckt, dann darf es ruhig auch gelitten haben. Aber nicht umgekehrt.
Ausserdem bin ich gegen jede Form von Verschwendung von Essen. Denn dann wäre der Tod von Tieren nämlich sinnlos. Und damit habe ich ein Problem.
Wenn ich mit dem Flugzeug unterwegs bin, gebe ich bei der Reservierung (zumindest da wo es Sinn macht) an, dass ich vegetarisches Essen wünsche. Letzte Woche war ich bei Herrn GP auf Mallorca zu Besuch und musste auf eine Fluggesellschaft ausweichen, die frühmorgens betrunkene Saufproleten toleriert, die nach der Landung in PMI "Hä? Das ist ja garnicht Sylt. Verdammt!" grölen.
Auf der Homepage fand sich bloß eine Auswahlmöglichkeit für kostenpflichtige Zusatzmenüs. Da aber meistens die obligatorische Frage "Schinken oder Käse" gestellt wird, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber.
Und wurde auf dem Rückflug enttäuscht, als nämlich nur ein einziges Gericht, Frikadellen mit Reis, angeboten wurde und die Stewardess auf meine Frage nach einer vegetarischen Alternative schulterzuckend antwortete, dass am Rande der Frikadellen ja Reis läge, den ich essen könne.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte hier weder Hummer auf Charterflügen verlangen noch war ich Mitglied bei der Naturgesetzpartei. Und ja, ich weiß auch, dass der Flug weniger als das Monatsbudget eines Hartz-IV-Empfängers gekostet hat.
Aber:
1) Zeugt es nicht von Menschenverachtung, davon auszugehen, dass 189 Menschen an Bord einer Boeing 737-800 den gleichen Geschmack haben (sollen)? Oder soll mit goebbels'scher Gründlichkeit eine Geschmacks-Gleichschaltung betrieben werden? (Bitte verzeihen Sie die Alliteration; sie war nicht beabsichtigt)
2) Könnte man nicht eine signifikant höhere Kundenzufriedenheit erreichen, wenn man zumindest eine Essensalternative anbietet? Es geht ja eigentlich gar nicht ums Essen sondern vielmehr um die Alternative und die scheinbar freie Wahl, die dem Kunden damit suggeriert wird.
Meine Kritikpunkte bezüglich der Verschwendung von Essen kann sich der geneigte Leser sicherlich selbst konstruieren. Wirklich: Essen ist einfach viel zu wichtig, als dass man es so verkommen lassen und riskieren sollte, dass es unprobiert entsorgt wird.
PS: Die Verwendung der Begriffe "Nazi", "Gleichschaltung" etc. ist in diesem Kontext zu verstehen und soll die Radikalität der Verachtung von Menschen und Essenskultur, die mir aufgefallen ist, unterstreichen.
Es ging um einen Jungen, der vegetarisch erzogen wurde und, nachdem er erwachsen geworden ist, in die große Stadt ging, um ein Schnitzel zu probieren. Da ihm das Schnitzel so gut schmeckte, entschließt er sich, herauszufinden, wie so etwas gemacht wird und besichtigt einen Schlachthof. Die Geschichte endet damit, dass man ihn an einem Haken aufhängt und ihn schlachtet. Weil alle Schnitzel nämlich aus Leuten gemacht werden, die sich ein Schlachthaus mal von innen anschauen wollen.
Zu sagen, dass mich diese Geschichte zum Vegetarier gemacht hätte, wäre vermessen und oberflächlich. Denn eigentlich war ich schon immer ein schwieriges Kind, was das Essen anbetraf. Wenn meine Mutter sonntags einen Braten machte, spürte ich passend zur Ausbreitung des Geruchs den Brechreiz in mir aufsteigen.
Doch danach dachte ich gründlich über meine Essgewohnheiten nach und kam zu dem Schluss, dass 99,9% aller Fleischprodukte mir eigentlich nicht schmecken und daher für mich überflüssig sind. Deswegen bin ich ästhetischer Vegetarier. Trotz der vielbeschworenen Solidarität unter den Vegetariern mag ich keine ideologischen Vegetarier. Weil ich keine Ideologie mag. Und auch keine Vegetarier.
Ausnahmen sind die 0,1% der fleischhaltigen Gerichte, die mir schmecken, wie z.B. Sushi mit Ente (großartige Erfindung; bei Steffen Henssler probiert); Scampi im Speckmantel (noch besser: mit Serranoschinken) oder Gänseleberpastete. Ja, ich weiß, dass die Tiere gelitten haben. Aber dafür genieße ich es bewusst, denn wenn mir etwas schonmal schmeckt, dann darf es ruhig auch gelitten haben. Aber nicht umgekehrt.
Ausserdem bin ich gegen jede Form von Verschwendung von Essen. Denn dann wäre der Tod von Tieren nämlich sinnlos. Und damit habe ich ein Problem.
Wenn ich mit dem Flugzeug unterwegs bin, gebe ich bei der Reservierung (zumindest da wo es Sinn macht) an, dass ich vegetarisches Essen wünsche. Letzte Woche war ich bei Herrn GP auf Mallorca zu Besuch und musste auf eine Fluggesellschaft ausweichen, die frühmorgens betrunkene Saufproleten toleriert, die nach der Landung in PMI "Hä? Das ist ja garnicht Sylt. Verdammt!" grölen.
Auf der Homepage fand sich bloß eine Auswahlmöglichkeit für kostenpflichtige Zusatzmenüs. Da aber meistens die obligatorische Frage "Schinken oder Käse" gestellt wird, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber.
Und wurde auf dem Rückflug enttäuscht, als nämlich nur ein einziges Gericht, Frikadellen mit Reis, angeboten wurde und die Stewardess auf meine Frage nach einer vegetarischen Alternative schulterzuckend antwortete, dass am Rande der Frikadellen ja Reis läge, den ich essen könne.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte hier weder Hummer auf Charterflügen verlangen noch war ich Mitglied bei der Naturgesetzpartei. Und ja, ich weiß auch, dass der Flug weniger als das Monatsbudget eines Hartz-IV-Empfängers gekostet hat.
Aber:
1) Zeugt es nicht von Menschenverachtung, davon auszugehen, dass 189 Menschen an Bord einer Boeing 737-800 den gleichen Geschmack haben (sollen)? Oder soll mit goebbels'scher Gründlichkeit eine Geschmacks-Gleichschaltung betrieben werden? (Bitte verzeihen Sie die Alliteration; sie war nicht beabsichtigt)
2) Könnte man nicht eine signifikant höhere Kundenzufriedenheit erreichen, wenn man zumindest eine Essensalternative anbietet? Es geht ja eigentlich gar nicht ums Essen sondern vielmehr um die Alternative und die scheinbar freie Wahl, die dem Kunden damit suggeriert wird.
Meine Kritikpunkte bezüglich der Verschwendung von Essen kann sich der geneigte Leser sicherlich selbst konstruieren. Wirklich: Essen ist einfach viel zu wichtig, als dass man es so verkommen lassen und riskieren sollte, dass es unprobiert entsorgt wird.
PS: Die Verwendung der Begriffe "Nazi", "Gleichschaltung" etc. ist in diesem Kontext zu verstehen und soll die Radikalität der Verachtung von Menschen und Essenskultur, die mir aufgefallen ist, unterstreichen.
svennov - 7. Sep, 12:29
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