Konsum

Montag, 7. September 2009

Über ästhetischen Vegetarismus und Catering-Nazis bei TUIfly

In der achten oder neunten Klasse las mein großartiger Kunstlehrer aus einem Buch von Roald Dahl vor.

Es ging um einen Jungen, der vegetarisch erzogen wurde und, nachdem er erwachsen geworden ist, in die große Stadt ging, um ein Schnitzel zu probieren. Da ihm das Schnitzel so gut schmeckte, entschließt er sich, herauszufinden, wie so etwas gemacht wird und besichtigt einen Schlachthof. Die Geschichte endet damit, dass man ihn an einem Haken aufhängt und ihn schlachtet. Weil alle Schnitzel nämlich aus Leuten gemacht werden, die sich ein Schlachthaus mal von innen anschauen wollen.

Zu sagen, dass mich diese Geschichte zum Vegetarier gemacht hätte, wäre vermessen und oberflächlich. Denn eigentlich war ich schon immer ein schwieriges Kind, was das Essen anbetraf. Wenn meine Mutter sonntags einen Braten machte, spürte ich passend zur Ausbreitung des Geruchs den Brechreiz in mir aufsteigen.

Doch danach dachte ich gründlich über meine Essgewohnheiten nach und kam zu dem Schluss, dass 99,9% aller Fleischprodukte mir eigentlich nicht schmecken und daher für mich überflüssig sind. Deswegen bin ich ästhetischer Vegetarier. Trotz der vielbeschworenen Solidarität unter den Vegetariern mag ich keine ideologischen Vegetarier. Weil ich keine Ideologie mag. Und auch keine Vegetarier.

Ausnahmen sind die 0,1% der fleischhaltigen Gerichte, die mir schmecken, wie z.B. Sushi mit Ente (großartige Erfindung; bei Steffen Henssler probiert); Scampi im Speckmantel (noch besser: mit Serranoschinken) oder Gänseleberpastete. Ja, ich weiß, dass die Tiere gelitten haben. Aber dafür genieße ich es bewusst, denn wenn mir etwas schonmal schmeckt, dann darf es ruhig auch gelitten haben. Aber nicht umgekehrt.
Ausserdem bin ich gegen jede Form von Verschwendung von Essen. Denn dann wäre der Tod von Tieren nämlich sinnlos. Und damit habe ich ein Problem.

Wenn ich mit dem Flugzeug unterwegs bin, gebe ich bei der Reservierung (zumindest da wo es Sinn macht) an, dass ich vegetarisches Essen wünsche. Letzte Woche war ich bei Herrn GP auf Mallorca zu Besuch und musste auf eine Fluggesellschaft ausweichen, die frühmorgens betrunkene Saufproleten toleriert, die nach der Landung in PMI "Hä? Das ist ja garnicht Sylt. Verdammt!" grölen.
Auf der Homepage fand sich bloß eine Auswahlmöglichkeit für kostenpflichtige Zusatzmenüs. Da aber meistens die obligatorische Frage "Schinken oder Käse" gestellt wird, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber.
Und wurde auf dem Rückflug enttäuscht, als nämlich nur ein einziges Gericht, Frikadellen mit Reis, angeboten wurde und die Stewardess auf meine Frage nach einer vegetarischen Alternative schulterzuckend antwortete, dass am Rande der Frikadellen ja Reis läge, den ich essen könne.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte hier weder Hummer auf Charterflügen verlangen noch war ich Mitglied bei der Naturgesetzpartei. Und ja, ich weiß auch, dass der Flug weniger als das Monatsbudget eines Hartz-IV-Empfängers gekostet hat.

Aber:
1) Zeugt es nicht von Menschenverachtung, davon auszugehen, dass 189 Menschen an Bord einer Boeing 737-800 den gleichen Geschmack haben (sollen)? Oder soll mit goebbels'scher Gründlichkeit eine Geschmacks-Gleichschaltung betrieben werden? (Bitte verzeihen Sie die Alliteration; sie war nicht beabsichtigt)
2) Könnte man nicht eine signifikant höhere Kundenzufriedenheit erreichen, wenn man zumindest eine Essensalternative anbietet? Es geht ja eigentlich gar nicht ums Essen sondern vielmehr um die Alternative und die scheinbar freie Wahl, die dem Kunden damit suggeriert wird.

Meine Kritikpunkte bezüglich der Verschwendung von Essen kann sich der geneigte Leser sicherlich selbst konstruieren. Wirklich: Essen ist einfach viel zu wichtig, als dass man es so verkommen lassen und riskieren sollte, dass es unprobiert entsorgt wird.

PS: Die Verwendung der Begriffe "Nazi", "Gleichschaltung" etc. ist in diesem Kontext zu verstehen und soll die Radikalität der Verachtung von Menschen und Essenskultur, die mir aufgefallen ist, unterstreichen.

Dienstag, 21. Juli 2009

Gute Hemden - schlechtgekleidete Mitarbeiter

Zufällig stieß ich im Internet auf die Homepage des Maßkonfektionärs Rebmann, der in Hannovers Altstadt jüngst seine zweite Filiale eröffnet hat. Von außen wirkt der Shop etwas zu aufdringlich, was am großzügigen Einsatz von goldener Farbe im Außenbereich liegen mag. Im Innenraum wurden meine Begleitung und ich freundlich von einer Mitarbeiterin begrüßt, da der Berater gerade in einem Gespräch war, bot sie mir und meiner Begleitung einen Espresso an. Nach einiger Wartezeit kam ein Mensch mit einem schlechtsitzenden Anzug und einem kurzärmeligen Hemd, an dessen Kragen wie selbstverständlich eine Krawatte herunterhing auf mich zu; Ich hielt das zunächst für einen schlechten Scherz, war aber zu neugierig auf das Angebot bezüglich Hemden.

Rebmann lässt die Hemden in einem süddeutschen Familienbetrieb fertigen, wie mir erklärt wurde.
Der Mitarbeiter zeigte mir eine große Palette von verschiedenen Stoffen, ein Hemd aus der einfachsten Stoffqualität gab es bereits für 99,-, ich wählte jedoch einen anderen Stoff, mit dem das Hemd 179,- kostete. Es folgten die üblichen Individualisierungsmöglichkeiten wie eine Auswahl verschiedener Kragen, Manschetten und Rückenformen. Nachdem ich klassisch mit der Hand vermessen wurde, bot mir der Mitarbeiter an, den neu installierten Körperscanner auszuprobieren. Dazu musste ich mich bis auf die Boxershorts ausziehen und mich in einem dunklen Raum auf eine markierte Position stellen. Von drei Seiten tastete ein Laserstrahl meine Körpersilhoutte ab und nachdem ich mich wieder angezogen hatte, konnte ich am Bildschirm schon meine vom Computer aus zwei verschiedenen Messungen errechneten Maße ablesen. Die Lieferzeit wurde mit vier Wochen angegeben, man versprach, mich anzurufen, wenn mein Hemd abholbereit sei. Im Herausgehen fiel mir ein, dass ein passendes Einstecktuch keine schlechte Idee sei und bestellte es gleich mit.

Der Anruf kam relativ pünktlich und ich machte mich freudestrahlend auf dem Weg zum Laden, wo ich mein neues Hemd in Empfang nahm. Von der Stoffqualität, der Passform und der Verarbeitung war ich sehr begeistert, bloß ein paar Details hätte ich mir anders vorgestellt: Der Kragen entsprach nicht meinen Vorstellungen, weil die Underbutton-down-Konstruktion gewöhnungsbedürftig war, ausserdem waren mir die Manschetten und der Kragen nicht fest genug und das Hemd hätte ein wenig mehr Taillierung vertragen können.

Einige Wochen später traf ich einen gutgekleideten und viel kompetenteren Menschen in dem Laden. Es war der Geschäftsführer, der sich meinen Änderungswünschen gegenüber aufgeschlossen zeigte und mir eine kostenlose Änderung zusagte. Er versprach sogar, eine Flasche Hierbas anzuschaffen, damit ich bei der nächsten Anprobe einen Carajillo trinken kann. Ich zeigte ihm eines meiner Hemden mit einem, meiner Meinung nach perfekten Kragen, woraufhin er mir versprach, für das aktuelle und die nächsten Hemden einen solchen Kragen anfertigen zu lassen. Ausserdem sprachen wir darüber, den Abstand der oberen Knöpfe zu verändern: Ich wünschte mir, den zweiten Knopf etwas nach unten zu versetzen, damit mein Krawattenschal besser zur Geltung kommt.

Ich werde den interessierten Leser über die Änderung auf dem Laufenden halten, selbstverständlich wird auch ein Foto des Resultats nachgeliefert. Im nächsten Teil dieser kleinen Hemdenserie werde ich über meine Erlebnisse bei dem Hamburger Maßschneider Tom Reimer berichten.

Donnerstag, 23. April 2009

Herbst?

20032009831

Donnerstag, 16. April 2009

Kommunikation ist alles

Unglaublich, wie wenig Aufwand es braucht, um eine hervorragende Kundenmeinung bezüglich der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens ins Gegenteil umzuwandeln. Der erste, positive Eindruck, der im Beratungsgespräch mühsam aufgebaut wurde, fiel größtenteils mangelnder Kommunikation von Anbieterseite zum Opfer und wird nur schwierig wiederherzustellen sein. Dabei hätte doch ein Telefonanruf oder eine E-Mail ausgereicht.


Am diesjährigen Valentinstag besuchte ich das Hamburger Atelier von Tom Reimer, welcher für hochwertige Maßanfertigungen bekannt ist. Nachdem die Mitarbeiterin mir zuerst die Hemden von der Stange zeigen wollte, kam ich in den Genuss, vom Meister persönlich bedient und vermessen zu werden. Das Beratungsgespräch würde ich als kompetent, charmant und verbindlich beschreiben, ich fühlte mich gut aufgehoben, empfand Tom Reimer als erfrischend natürlich und auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Die Mitarbeiterin brachte meiner Begleitung in dieser Zeit einen Espresso, der garnicht mal so schlecht gewesen sein soll.
Aus einer Fülle verschiedener Stoffe, Manschetten, Kragen und Schnitten wählte ich aus, wie mein neues Hemd aussehen sollte. Sechs Wochen nach dem Bestelldatum sollte ich es abholen können, einen genauen Preis konnte man mir zu dem Zeitpunkt noch nicht nennen, die einzige Information, die ich diesbezüglich mit auf den Weg bekam, war, dass der Preis bei ungefähr 250 Euro liegen werde. Man sagte mir eine Auftragsbestätigung mit dem genauen Preis innerhalb der nächsten Woche zu.
Zwei Wochen später hörte ich immer noch nichts von Herrn Reimer; es fiel mir ein, dass ich vergaß, nach einem Einstecktuch aus dem Stoff meines neuen Hemdes zu fragen, welches ich mir sonst passend zu meinen Hemden zu kaufen pflege. Also bestellte ich kurzerhand telefonisch mein Einstecktuch. Ich versuchte es zumindest. Am Telefon war die Mitarbeiterin, die von einer schwierigen Lage bezüglich der Hemden sprach. Sie wisse nicht, ob es möglich sei, ein passendes Einstecktuch zu bestellen, versprach aber, die Sache für mich zu eruieren (sic!) und mich dann zurückzurufen.

Am 1. April fragte ich per Mail nach, ob die ausbleibende Auftragsbestätigung und der nicht erfolgte Rückruf vielleicht damit zu tun haben könne, dass man kein Interesse mehr an meinem Auftrag habe und bat um Nachricht in dieser Sache, damit ich mir einen anderen Schneider für meine Hemden suchen könnte.

Die Antwort per Email kam innerhalb von weniger als zwei Stunden, was selbst für Unternehmen, die ausschließlich im Internet ihr Geld verdienen eine sehr bemerkenswerte Zeitspanne ist, mich aber bei einem Maßschneider wirklich sprachlos machte. Natürlich lege man Wert auf mich als Kunden und bitte um Verständnis wegen der Verzögerung, die mit Problemen beim Lieferanten begründet wurde. Das Hemd sei am 30.4. abholbereit.
Eben wurde mir dieser Termin nochmals per Email bestätigt.

Nun, ich bin gespannt, ob die Geschichte ein Happy-End haben wird (und ich mein Einstecktuch bekomme) und werde berichten, sobald ich mein neues Hemd in Empfang genommen habe.

Montag, 16. März 2009

Wofür gibt es ein Radio im Jaguar XK?

Ich weiß garnicht mehr so genau, wie ich auf Jaguar gekommen bin, aber plötzlich fand ich mich vor einem Jaguar XK Cabrio stehend wieder und betrachtete es ausführlich. Bei Jaguar wird Zurückhaltung anscheinend noch groß geschrieben: Obwohl sich mehrere augenscheinlich unbeschäftigte Mitarbeiter im Verkaufsraum befanden, wurde ich nicht angesprochen. Erst als ich von mir aus auf einen Mitarbeiter zugehe, läßt er sich dazu herab, mir einige Detailfragen bezüglich Integrationsmöglichkeiten von iPods/iPhones und Golfbagkapazität des Kofferraums zu beantworten.
Jetzt merkt er, dass ich Ahnung habe, zeigt mir von sich aus weitere Details. Abschließend überreiche ich ihm eine Visitenkarte und bitte um Zusendung von Prospekten und eines Angebots.
Zwei Tage später finde ich die gewünschten Daten sowie eine Einladung zur Probefahrt in meinem Briefkasten.
Ich lege den Termin auf einen Samstagvormittag und erscheine frisch ausgeschlafen mit einem maßgeschneiderten Hemd und einem Sakko aus dem Second-Hand-Laden, das mich keine zehn Euro gekostet hat. Der Verkäufer, der mich in einem kurzärmeligen Hemd mit einer Motivkrawatte empfängt, springt darauf an. Er finde den Button, den ich am Revers trage cool, sagt er.
Ich weiß nicht, ob ich mich wegen des billigen Anbiederns oder wegen der für einen über-vierzigjährigen unpassenden Wortwahl stärker fremdschämen soll.
Um mir die Zeit zu vertreiben, nehme ich mir eines der ausliegenden Golfmagazine und blättere gelangweilt darin. Als wäre das ein Signal gewesen, verläßt die schüchterne Empfangsdame ihr Versteck hinter dem Schreibtisch und fragt mich, ob sie mir einen Espresso bringen dürfe.
Nach einer kurzen Einweisung sitze ich am Steuer und öffne trotz durchwachsenem Wetter das Verdeck.
Schneller als mein Kopf denken kann, wird mein Körper in die Ledersitze gepresst und auf Tempo 90 beschleunigt; als ich realisiere, was gerade mit mir passiert, sehe ich im letzten Moment die rote Ampel und bringe den Jaguar trotzdem sicher zum Stehen.

Der Wagen hat eine klassische Karosserieform, ist sportlich, ohne dabei plump zu wirken, die Proportionen wirken für diese Klasse sehr zurückhaltend. Im Innenraum dominieren Leder und Wurzelholz, alles macht einen hochwertigen Eindruck. Allerdings fehlt mir im Innenraum etwas die Modernität: Die Instrumente und Ablagen sind zwar klassisch-sportlich gestaltet, wurden aber zu wenig den heutigen Bedürfnissen an Usability angepasst. Das beginnt bei dem schlecht zu bedienenden Multifunktionsdisplay, über das sogar die Klimaanlage gesteuert wird und setzt sich fort mit dem Abstandstempomat, der einfach nur Bullshit ist. Sorry, aber das ist ein Sportwagen, und selbst wenn ich herausgefunden hätte, wie man das blöde Ding bedient, hätte ich es immer noch für überflüssig gehalten. Die Automatik empfinde ich als veraltet, sie bietet zwar eine Tiptronic-Einstellung, schaltet mir aber in der Standardeinstellung zu ruckelig.

Ich liebe das Offenfahren mit dem XK8, weil man so den grandiosen Klang des 298 PS starken 8-Zylinder-Motors mit 4,2 Liter Hubraum ungefiltert genießen kann. Das Radio habe ich nach kurzem Probehören einer CD ausgeschaltet. Obwohl sich die Entwickler viel Mühe mit den Lautsprechern gegeben haben ist es in diesem Wagen einfach überflüssig.

Ich fahre nun zu J., mit der ich eine Verabredung zum Frühstück habe. Ich wecke sie, indem ich vor ihrem Schlafzimmerfenster beschleunige. Schlaftrunken begutachtet sie mein neues Auto für einen Tag. Natürlich will sie eine Runde mit mir drehen, allerdings macht es sich bemerkbar, dass sie den Tag zuvor feiern war und mir ziemlich ängstlich erscheint, was Beschleunigung und Geschwindigkeit anbetrifft.
Als ich hinter einer Ampel Richtung Autobahn beschleunige, rammt sie kreischend ihre spitzen Absätze in die mit Leder bezogene Beifahrerairbagabdeckung. Nicht gerade die feine englische Art, mit einem Sportwagen umzugehen, denke ich und beschleunige weiter. Die Frau wird hysterisch, was mich dazu veranlasst, sie an der nächsten Bushaltestelle abzusetzen und alleine auf die Autobahn zu fahren.
Auf dem Weg zurück zum Autohaus wird mir wenigstens bereitwillig auf der linken Spur Platz gemacht. Dort angekommen unterhalte ich mich noch kurz mit dem Verkäufer, der mir zum Abschied noch einige Jaguar-Golfbälle übergibt.
Nein, ich weiß nicht, was ich von diesem Auto halten soll. Irgendwie hat es keine richtige Seele. Deswegen bin ich immer noch auf der Suche nach einem guterhaltenen Jaguar XJS. Der kommt ohne den ganzen Schnick-Schnack aus und braucht keine Design-Zitate, weil er selbst die Quelle der Inspiration ist.

Donnerstag, 12. Februar 2009

12 Stunden im Mercedes CLS

Vor einiger Zeit kam ich zufällig auf die Internet-Seite von Mercedes-Benz, wo ich mich fragte, ob es nicht auch hier möglich sein könnte, eine Probefahrt zu machen. Nach genauer Begutachtung fiel ein Großteil der angebotenen Modelle durch mein Raster, weil sie größtenteils, zur Freude der Mercedes-Bank, von Konsummaterialisten-Proleten mit "Das-kann-ich-auch"-Einstellung als Phallusersatz benutzt werden. Stattdessen entschied ich mich wegen der schönen Karosserieform und den herausragenden Fahreigenschaften des letzten Probefahrtautos mit Dieselmotor für einen Mercedes CLS 320 CDI. Auf meine Anfrage erhielt ich ein wirres Fax und einige Tage später per Post den Prospekt mit Preisliste.

Eine Woche später traf ich mich mit dem Mercedes-Verkäufer um den CLS für eine Probefahrt abzuholen. Ich musste zwar etwas warten, allerdings wurde mir die Wartezeit durch ein ausgiebiges Frühstück in der zum Autohaus gehörenden Bar versüßt. Nach ein paar Minuten belanglosem Gerede mit einem (wer hätte es gedacht) schlecht angezogenen Verkäufer fand ich mich am Steuer des CLS wieder.
Das wirklich schlimme an Menschen mit Mundgeruch ist übrigens, dass sie ihn meistens nicht selbst riechen können. So kostete es mich einiges an Mühe, dem Verkäufer, der sich über mich beugte, um mir das Cockpit zu erklären, davon zu überzeugen, dass seine gutgemeinten Erklärungen nicht nötig seien.
Träge setzt sich das fast zwei Tonnen wiegende Dickschiff in Bewegung. Der Innenraum ist beliebig-komfortabel eingerichtet, leider wird dort nicht an die markante, sportliche Linie der Karosserie angeknüpft. Die Technik ist mir ein wenig zu kompliziert, so dass die Programmierung des Navigationssystems fast zu einem Unfall führt. Negativ fallen mir außerdem der laute und schwachbrüstige Motor (224 PS) und die langsam und spürbar ruckelig schaltende Automatik auf, da bin ich z.B. von Audi Besseres gewohnt. Lenkung und Straßenlage empfinde ich als sehr weich und fast schon schwammig.
Aber egal, schnell eine Flasche Sprudelwasser und eine Tüte Eiswürfel zur Kühlung gekauft und ab zu M., der ich versprochen habe, sie ein wenig in der Weltgeschichte herumzufahren. Sie findet das Auto sehr schön, aber etwas zu klobig und anmaßend; Ich kann ihr in diesem Punkt nicht widersprechen.
Von außen ist es zwar gestaltet wie ein viertüriger Sportwagen, allerdings merkt man im Innenraum und an den Fahreigenschaften, dass die Zielgruppe für dieses Fahrzeugkonzept jenseits der 50 angesiedelt ist.
Trotzdem macht der CLS wenigstens auf dem Supermarktparkplatz Eindruck. Was daran liegen mag, dass sich die einkaufenden Hausfrauen und Familienväter in einem Mittelstandsviertel von der durchaus gut anzusehenden Fassade, wegen der ich mir den CLS letztendlich ausgesucht habe, blenden lassen. Dennoch passt er dank seiner ausgewogenen Proportionen nicht in die Kategorie "Blender-Auto".
CLS
Ich suche einen Parkplatz, stelle die Sitze in eine bequeme Position, was Dank der elektrischen Verstellung schnell und einfach funktioniert. Nun wird das Sprudelwasser geöffnet, passende Gläser habe ich im Voraus besorgt, (ein Wagen in dieser Klasse und mit diesen Eigenschaften sollte m.E. wenigstens eine Minibar haben) dazu lege ich eine DVD in den eingebauten Player.
Gut, der CLS kann es nicht unbedingt mit meinem Lieblingskino (= MacBook in meinem Bett) aufnehmen, aber dafür fährt mein Bett auch keine 246 km/h, obwohl es auf Rollen steht. Außerdem hinterlassen die Ledersitze zumindest im Stand einen guten Eindruck, während der Fahrt überzeugen sie mich mangels Seitenhalt nicht.
Nach dem Film geht es über die Autobahn wieder zurück zum Autohaus; Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit die Höchstgeschwindigkeit erreichen, sind wir auch schon fast am Ziel angekommen. Der Pförtner, der uns empfängt, fragt, ob ich eine angenehme Fahrt gehabt habe. "Geht so", antworte ich ihm und steige an der nahegelegenen U-Bahn-Station in die nächste Bahn Richtung Limmerstr.

Sonntag, 4. Januar 2009

Golf oder Zigarren?

Um eine Probefahrt mit einem spannenden Auto zu bekommen, sollte man sich schon frühzeitig Gedanken machen, welchen Käufertyp man darstellen möchte. Eine nach außen geschlossene, runde und authentische Erscheinung ist das A&O in dieser Disziplin.
Ich entscheide mich für eine Mischung aus jungem, schnöseligem early adopter (erste Frage im Beratungsgespräch: "Wie kann ich mein iPhone mit dem Bordcomputer verbinden?") und beschäftigtem Geschäftsmann ("Also ich hätte frühestens in 5 Wochen Zeit für eine Probefahrt, aber warten Sie mal: ich bin nächstes Wochenende auf einem Benefiz-Golfturnier eingeladen, das könnte man doch gut miteinander verbinden..")
Man sollte darauf achten, dass der zu spielende Habitus wie selbstverständlich aussieht, dazu gehört, dass man weder einen arroganten und erst recht keinen devoten Eindruck beim Verkäufer hinterlässt. Auch eine gewisse Freundlichkeit und ein kooperativer Gesprächsstil (Vgl.) erleichtern das Gespräch mit dem Verkäufer ungemein.

Bevor ich ein Autohaus betrete, bitte ich per Mail oder Kontaktformular auf der Herstellerhomepage (bei Mercedes per Fax, da sich die Leute dort die Emails ausdrucken und sie sich dann per Fax intern weiterleiten) um ein Angebot und Infomaterial zu dem mich interessierenden Wagen.
Das hat den einfachen Grund, dass ich weder Lust noch Zeit habe, stundenlang mit dem Verkäufer irgendwelche Konfigurationen durchzusprechen, um dadurch konkretes Interesse zu heucheln, denn das geht mit oben beschriebener Methode viel effizienter.
Im Gegenteil: die Organisation bzw. der Verkäufer darf auf keinen Fall glauben, dass die angebliche Investition irgendeine Priorität besitze.

Die Einladung zur Probefahrt kommt meistens danach direkt im Antwortbrief, falls nicht, müsste man sich die Mühe machen, das Autohaus aufzusuchen um mit den Mitarbeitern zu sprechen. Letzteres ist mir aber bisher noch kein einziges Mal in meiner Probefahrerkarriere passiert.

Die Garderobe ist zumindest bei vorheriger Terminvereinbarung irrelevant für die Zusage zur Probefahrt (Obwohl ich am Anfang meiner Probefahrerzeit H&M-Sakkos trug, bekam ich die Autos), trotzdem sehe ich keine Veranlassung, verlottert zu einer Probefahrt aufzutauchen. Meistens trage ich eine Kombination aus Turnschuhen und einem guten Anzug; Hemden mit Doppelmanschetten und gute Manschettenknöpfe sollten selbstverständlich sein. Die Frage nach Hosenträgern wurde von Herrn GP hier schon ausführlich erläutert, obwohl ich nicht seine Meinung in diesem Punkt nicht teile, halte ich seinen Beitrag für sehr lesenswert. Manchmal mache ich mir auch den Spaß und tauche in einem meiner robusteren und ausgefalleneren Second-Hand-Sakkos aus den 1970ern auf. Wichtig ist, dass es keine Verkleidung sein darf, sondern dass der Träger mit seinem Anzug verschmelzen sollte.

Bei meinem Probefahrt-Hobby geht es mir nicht darum, ein schnelles und unvernünftig teures Phallus-Symbol für einen Tag abzugreifen; es ist vielmehr das Wie, das mich reizt:
Mich mit Verkäufern, die kurzärmelige Hemden mit Krawatten tragen, über Golf zu unterhalten ist z.B. eine Beschäftigung, nach deren Abschluss ich prustend aus dem Autohaus laufe, weil ich es paradox finde, mich zu reinen Distinktionszwecken mit einem Menschen über einen Sport zu unterhalten, von dem beide keine Ahnung haben. Mich würde sehr interessieren, wie eine Mitarbeiterschulung in Bezug auf diese zielgruppenspezifischen Themen aussieht.
Teilweise trifft man aber auch wirklich tolle Menschen, die stilvoll angezogen sind und mit denen man vor der Probefahrt bei einer Romeo y Julieta aus dem begehbaren Humidor die Details regeln kann. Diese Menschen sind die besseren Markenbotschafter, weil sie sich nicht verkleiden müssen, um die Vorzüge des Produktes zu erläutern und weil sie selbst zur Zielgruppe gehören.
Dabei darf man nicht vergessen, dass ich trotz meines anscheinend ausgezeichneten SCHUFA-Scores, ohne den man mir wohl kaum ernsthafte Kaufabsichten unterstellt hätte, einem Hauptwohnsitz in einem gehobenen Viertel (was die Limmerstr. ganz bestimmt nicht ist) immer noch Student bin, für den solche Investitionen in ein Auto astronomisch sind.

Meistens wird dann eine Überlassungsvereinbarung ausgefüllt, in der Versicherung (meistens 250,- Selbstbeteiligung), maximale Kilometerleistung (Verhandlungssache, mein Maximum waren 800 für ein Wochenende), Rückgabezeitpunkt (Wer ein Auto über Nacht haben möchte, sollte im Gespräch mit dem Verkäufer sagen, dass er mit dem Wagen zu einem Geschäftstermin in einer anderen Stadt fahren möchte und das Fahrzeug deswegen gerne schon um 5.30 morgens abholen würde. Die meisten Händler bieten dann von sich aus an, den Wagen schon am Vortag zu übergeben) und Tankfüllung (bei edleren Marken ist es selbstverständlich, dass man das Fahrzeug vor der Rückgabe nicht wieder auftanken zu braucht).

Da ich wie gesagt alle Oberklassemarken bis auf Porsche schon probegefahren bin denke ich, dass es nun für mich an der Zeit ist, dieses Hobby an den Nagel zu hängen und mir eine seriöse Freizeitbeschäftigung zu suchen. Ich wüßte allerdings nicht, was das sein sollte. Versucht habe ich es sehr oft, bürgerlich zu werden, unter anderem mit Tennis und später mit einem Golfkurs über die Uni. Bei allem langweilte ich mich zu Tode. Vielleicht bin ich einfach noch nicht alt genug, um es spannend zu finden, Golf auf einem abgesteckten Kurs zu spielen. Außerdem hat es auf dem blöden Golfplatz schlimmer gestunken als an den Orten, wo ich normalerweise Golf spiele, da direkt hinter Loch 3 ein Schlachthof lag, was im Sommer durchaus zu einem olfaktorischen Höllentrip werden kann.
Vielleicht sollte ich diesen Aspekt beim nächsten Verkaufsgepräch ansprechen.

Freitag, 12. Dezember 2008

das hätte ich sein können

http://www.nonstopnews.de/galerie/8160

... aber zum Glück bin ich noch nicht 33 und immer noch am Leben.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Barbourjacken und Beliebigkeit

Auch ein Probefahrer bleibt nicht vor Enttäuschungen bewahrt... So kam es, dass ich mir einen Lexus SC430 für eine Probefahrt aussuchte. Ich ließ mich wahrscheinlich vom 4,3 Liter umfassenden Hubraum und den anderen durchaus positiven Fahreigenschaften blenden. Das Auto ist grundsolide und bietet ein prima Preis/Leistungsverhältnis. Aber sind das Gründe, nach denen man einen Roadster kauft?
Spätestens im Innenraum merkt man, warum dieser Sportwagen schon für knapp über 70.000 Euro in quasi-Vollausstattung verkauft wird: An Edelholz und Elektronik wird zwar nicht gespart, doch scheint dort, genauso wie beim Design der Karosserie, Beliebigkeit das Gestaltungsprinzip gewesen zu sein; ich vermisse die logische, einfache Bedienung und die klare Linie, die ich z.B. von Audi gewohnt bin. Diese, dem SC430 fehlende Eigenschaft nenne ich "sophisticatedness". Die Ingenieure haben sich wahrscheinlich viel Mühe gegeben, den Touchscreen-Bordcomputer zu entwickeln, doch in der Praxis fällt dieser nur durch fettige Fingerabdrücke auf dem Display und die unpräzise Bedienung auf. (Wahrscheinlich waren es japanische Streber-Nerds, die Seppukku begingen, wenn sie von der Praxisuntauglichkeit ihrer Erfindung erführen.)

Der Wagen ist schnell, aber nicht sportlich, voller Elektronik aber nicht modern. Gerade dadurch verkommt das Konzept zur Farce; alles wirkt überladen und deswegen schon wieder anachronistisch, obwohl es technisch gesehen keineswegs veraltet ist.

Der Tag begann sehr gut, obwohl es leicht regnete. Nachdem ich mit einem schlechtgekleideten Verkäufer ein belangloses Gespräch führte und die Schlüssel überreicht bekam, gönnte ich mir ein Ciabatta in einer italienischen Bar, in der normalerweise nur BWL-Studenten ihre Barbour-Jacken spazierentragen, weswegen ich mich in einer Geruchswolke aus Kaffee und dem Geruch nasser, zum Trocknen aufgehängter Barbour-Jacken wiederfand.

Sofort fiel mir die eklatante Ähnlichkeit auf: Der SC430 ist wie jemand, der sich weder auf dem Land, noch am Meer befindet und trotzdem eine Barbourjacke mit Segelschuhen kombiniert:
Durchgestylt, aber nicht schön, praktisch, aber unfunktional.

Barbourjacken und Segelschuhe sind für sich gesehen hochwertige Produkte, die ihre Daseinsberechtigung für die ihnen jeweils zugedachten Zwecke haben, doch kombiniert und aus dem Zusammenhang gerissen werden sie zu einem beliebigen Distinktionsmerkmal, da sie dadurch keine Funktion mehr erfüllen. Vielmehr geben sie ihren Träger der Lächerlichkeit preis. Oder will mir jemand sagen, dass die Witterung in einer Stadt der gemäßigten Zone eine solche Jacke notwendig mache? Wofür gibt es Taxis?

Auf regennasser Fahrbahn in einer Tempo-30-Zone kam mir ein halbverrosteter, 15 Jahre alter Ford entgegen, der sich in einer Kurve in die Seite des Lexus bohrte. Abgesehen von einem immensen Sachschaden an einem Auto, was gerade einmal 3000 km gelaufen ist, passierte nichts. Dabei dachte ich immer, dass Unfälle mit einem Sportwagen zumindest einen Hauch von Sex, Drugs und Rock'n Roll hätten. Aber nein, ich hatte mir ja ein Billigmodell ohne jeglichen Esprit ausgesucht und dementsprechend fand ich mich in einer langweiligen Wohnstraße einem pöbelnden Unfallgegner gegenüberstehend wieder, der seine klar bewiesene Schuld nicht eingestehen wollte. Wäre es kein Türke gewesen, hätte ich mich sicherlich über die typisch deutsch-bürgerliche Unbelehrbarkeit echauffiert.
Kurze Zeit nach der von mir hinzugerufenen Polizei traf seine Großfamilie ein, welche abwechselnd mich und die Polizisten zu beschimpfen versuchte. Zumindest an mir perlte diese grammatikalisch unkorrekte Kakophonie ab, wie Chardonnay an der Bügelfalte meiner Anti-Fleck-imprägnierten und deswegen Wochenend-Hose.
Nachdem ich mich mit dem zwar kaputten, aber immer noch fahrtüchtigen Wagen vom Ort des Geschehens entfernt habe, lachend ob der Sinnlosigkeit, seinen Unfallgegner zu beschimpfen, dass er so ein teures (sic!) Auto fahre, lieferte ich das Auto mit dem Kommentar "Die Scheißkarre hat mir kein Glück gebracht" wieder beim Autohaus ab. Den Rest klärten die Versicherungen untereinander.

Donnerstag, 21. August 2008

I think we're dying...



via Sitzraver

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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