Job

Dienstag, 20. Oktober 2009

Frau L.

Wir trafen uns an einem sonnigen Februartag bei Ihnen zuhause. Ich bekam einen Schreck, weil Sie mich im Bademantel empfingen, Ihre Haut war verbrannt von der Bestrahlung, Sie trugen eine Art Kopftuch, weil Ihnen die Haare wegen der Chemotherapie schon ausgefallen waren. Sie sagten mir, dass Sie diesen Sommer nicht mehr erleben würden. Ich versuchte Ihnen Hoffnung zu machen, sagte, dass ich sicher sei, dass Sie dieses Jahr noch einmal einen richtig schönen Sommertag genießen könnten.
Es war der erste sonnige Tag in diesem Jahr, ich fühlte mich gut, doch das wurde in dieser Situation schlagartig anders. Es war so paradox, wie draußen das Leben erwachte während wir in Ihrem Wohnzimmer über Ihren Tod sprachen.
Ihnen war klar, dass es bald zu Ende gehen würde, doch Sie beklagten sich nicht. Ich war sprach- und fassungslos.
Ihre beiden jungen Katzen tobten in der Wohnung herum, Sie sagten mir, dass sie immer für Sie da wären und sich eine Freundin um die beiden kümmern werde, wenn Sie ins Hospiz gehen. Sie sagten mir, dass Sie nach Ihrem Tod verbrannt werden möchten und dass die Leute mit Ihrer Asche die Blumen düngen sollten. Sie wollten niemandem zur Last fallen und sagten, dass Ihre Bestattung so einfach wie möglich sein sollte.
Ich hätte Sie gerne bei der Verabschiedung in den Arm genommen, tat es aber nicht, weil ich wie gelähmt war. Ich wünschte Ihnen alles Gute und kam mir schäbig dabei vor, weil ich genau wusste, dass wir beide wussten, dass es für Sie in diesem Leben nichts Gutes mehr für Sie geben wird.

Als ich drei Tage später versuchte, bei Ihnen anzurufen, war der Telefonanschluss schon abgemeldet. Eine Woche später kam die Nachricht aus dem Hospiz, dass Sie gestorben sind.

Ich bewundere Sie für Ihren Mut und die Tapferkeit.

Montag, 19. Januar 2009

Meine gastronomischen Erfahrungen

Als ich noch zur Schule ging, arbeitete ich in einem mittelmäßigen Restaurant, eigentlich war es eher ein Schnellimbiss, doch hatte dieser Laden einen ganz besonderen Ruf, so daß er neureiche Schnösel anzog (und immer noch anzieht; ich glaube, es gibt an die 15 Filialen in Deutschland) wie Licht die Motten.

Wenigstens lernte ich dort einiges über guten Wein und Scampis, außerdem konnte ich ausführliche Sozialstudien über den Habitus der Neureichen anstellen.
Ich vertrete die Meinung, dass man, wenn man etwas zur Steigerung seines Sozialprestiges konsumiert (Was ist es bitte sonst, wenn man sich eine Flasche Moët in einem Bahnhofsimbiss bestellt?) zumindest den Namen richtig aussprechen sollte. "Eene Flasche Mööt hätt' isch jerne" fällt ganz bestimmt nicht darunter. Immerhin weiß ich jetzt, dass es mindestens fünf verschiedene Arten gibt, "Veuve Clicquot" auszusprechen.
Es ist zwar keine Pflicht, das Personal einigermaßen freundlich zu behandeln, doch finde ich, dass Leute, die Geld haben, aber unhöflich sind, auch keinen Stil haben und deswegen nicht reich sondern Idioten sind:
Ein Kunde verlangte eine Flasche Chablis, welche ich ihm auch sofort entkorkte und fachgerecht präsentierte. Nachdem er auf einen Probeschluck bestand, was in einem Steh-Imbiss eher unüblich ist, schwenkte er den Wein im Glas und fragte nach der Temperatur des Weins. "Genau 9,5°C, mein Herr", log ich ihn an und versuchte ihm dabei das Gefühl von Wichtigkeit zu geben, was er durch seine Frage zu erreichen versuchte. "Niemals sind das 9,5°C; der Wein ist viel zu warm", entgegnete er, ohne überhaupt daran genippt zu haben, "ich verlange auf der Stelle eine neue Flasche". Die hat er natürlich bekommen, den für ihn ungenießbaren Wein teilte ich mir mit der netten Kollegin, die sich vor Lachen kaum noch halten konnte, als sie diese Szene mit ansehen musste.
Ich lernte, dass selbst teure Läden keine Garantie für gutes Essen sind, denn in der Küche sah es schon ganz schön schmuddelig aus. Glücklicherweise durfte ich vorne am Scampi-Grill stehen, wo ich mich stattdessen von 60-jährigen Damen in Champagnerlaune habe anflirten lassen müssen, welche mich immer mit irgendwelchen wahrscheinlich sündhaft teuren aber scheußlich schmeckenden Omapralinen vollstopften, anstatt ein vernünftiges Trinkgeld zu hinterlassen. Gleichzeitig war es aber streng verboten, die billigen, aber bestimmt lecker schmeckenden Mädchen vom gegenüberliegenden Stand anzulächeln, Verstöße wurden mit einer Abkommandierung zum Abwaschen geahndet. Der Chef sagte immer, dass es für Mitarbeiter seines Hauses nicht standesgemäß sei, mit den proletarischen Pommesverkäuferinnen zu flirten. Auf mich haben sie vielleicht gerade deswegen einen großen Reiz ausgeübt, ausserdem war ich genervt von der Perlenohrring-Uniformität meiner weiblichen Kolleginnen.
Nebenbei musste ich noch Junkies erklären, dass wir keine Zitronen verkauften, weil diese bevorzugt zum Aufkochen von Heroin verwendet werden und mir irgendwelche Urlaubsgeschichten von faszinierten Senioren anhören, die den großen Chef persönlich zu kennen glaubten (Der Hauptsitz der Kette wird von vielen Urlaubern besucht) und darum baten, ihm einen Gruß von Klaus und Helga aus der Vorstadt auzurichten. Jegliche Erklärungsversuche waren zwecklos, so dass ich mich irgendwann damit abfand und nur noch freundlich lächelnd nickte, wenn so ein Fall auftrat.

Der einzige Grund, warum ich mir diesen Zirkus noch angetan habe, war, dass ich unbemerkt während der Arbeitszeit meinen Eiweißhaushalt mit den Scampis auffüllen konnte. Was auch bitter nötig ist für einen Sechzehnjährigen.
Als herauskam, dass ich für das kontinuierliche Schrumpfen der Scampibestände verantwortlich war, wurde ich nicht zum Abwaschen eingeteilt. Stattdessen ging meine Karriere in dem Laden ganz schnell wieder zu Ende. Ich war nicht böse darum.

Mittwoch, 14. Februar 2007

Ahorn-Grieneisen AG unter Beschuss

Die Geschäftsmethoden des zur Ideal Versicherungen AG gehörenden größten deutschen Bestattungsunternehmens, der Ahorn-Grieneisen AG, wurden in den letzten Wochen auch außerhalb der "Fachkreise" kritisiert: Erst das, dann das.
Den beiden edit wars in Wikipedia hier und hier nach zu urteilen, hat Ahorn-Grieneisen einen Pressesprecher Fürsprecher, der dem Bericht des rbb misstraut und den Link mit folgender Begründung gelöscht hat: Link ist irrelevant, da er auf Beitrag von rbb aufbaut und somit nicht die wahren Tatsachen entspricht.
Ist das die Krisenkommunikation 2.0 inklusive der zugehörigen Rechtschreibfehler?
Trotzdem hat man in Berlin aus der letzten Manipulation des Wikipedia-Artikels gelernt: Diesmal wurden die Änderungen zumindest nicht vom Bürocomputer aus durchgeführt.
Nachtrag: Natürlich ist dies auch ein klarer Fall für boocompany.

Montag, 5. Februar 2007

Nichts ist den Spammern mehr heilig

Aus einer Werbe-E-Mail eines Händlers für Bestattungsbedarf:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Lange haben wir für Sie gerechnet. Doch nun freuen wir uns, Ihnen das beiliegende Angebot überreichen zu können: Fünf Schmuckurnen im Sortiment zum Hammerpreis. Ungewöhnlich günstig: xxxxxxxx eben!


Ich bin der Meinung, dass Hersteller, die qualitativ hochwertige Ware verkaufen, sich Texter leisten können. Oder komplett auf E-Mail-Werbung verzichten.
Ausserdem sind die Urnen pottenhäßlich ganz und garnicht mein Geschmack. Und auch nicht günstig.

Obwohl für mich keine Feuerbestattung in Frage kommt, wäre dieses Exemplar mein Favorit:

voelsing_app000000

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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