Sachen, die man mal gemacht haben sollte: Eine Martin-Walser-Lesung stürmen
Zu der Zeit, als ich in meine erste WG in einem stadtbekannten Punkerviertel gezogen bin, war es schrecklich angesagt, gegen irgendetwas zu protestieren. Ich weiß nicht genau, wie genau wir hingekommen sind, doch fand ich mich irgendwann in einem versifften Raum am Schneiderberg wieder, wo gerade Einzelheiten über die Stürmung der bevorstehenden Martin-Walser-Lesung besprochen wurden. Der Plan war, die Plakate in der Nähe des Veranstaltungsortes mit einem anderen Termin überzuplakatieren, um die potentiellen Besucher von der Lesung fernzuhalten. An der U-Bahn-Station sollten weitere Mitglieder der Gruppe postiert werden, die verbreiten sollten, dass die Lesung auf nächsten Januar verschoben worden sei. Die Leute, die sich davon nicht vom Besuch der Lesung abhalten haben lassen sollten, würden direkt vom Protest erfahren, weil sie miterleben würden, wie die Gruppe die Bühne stürmt und von dort aus Flugis (ProtestlerInnen- und Protestlerinnensprache für Flugblätter) verteilen.
Natürlich war es aufregend, die Bühne zu stürmen, wo die Leute dann versucht haben, ihr Flugblatt zu verteilen und eine Erklärung zu verlesen. Das dabei ein Glas zu Boden fiel und zerbrach, verstärkte den revolutionären Charakter noch mehr. Nachteilig war allerdings die enorme Textmenge, die es notwendig machte, das Blatt doppelseitig und in Schriftgröße 9 zu bedrucken. Auch die vielen Binnen-Is verbesserten nicht unbedingt die Lesbarkeit. Aber das Plenum schien es so beschlossen zu haben, und deswegen sollte auch alles vorgelesen werden.
Ehrlich gesagt wusste ich nicht, wofür, oder wogegen ich protestierte. Und genauso schien es den anderen auch zu ergehen, besonders demjenigen, der versuchte, das Flugblatt zu verlesen. Es schien irgendwas mit Nazis zu tun zu haben, wie ich am Rande mitbekam. Aber der Text war so kopflastig und kompliziert geschrieben, dass kein Interesse im Publikum bestand, ihn bis zum Ende zu hören.
Der einzige Grund, warum ich dort mitgemacht habe, war das Mädchen, dass die Sache mitorganisiert hat.
Natürlich war es aufregend, die Bühne zu stürmen, wo die Leute dann versucht haben, ihr Flugblatt zu verteilen und eine Erklärung zu verlesen. Das dabei ein Glas zu Boden fiel und zerbrach, verstärkte den revolutionären Charakter noch mehr. Nachteilig war allerdings die enorme Textmenge, die es notwendig machte, das Blatt doppelseitig und in Schriftgröße 9 zu bedrucken. Auch die vielen Binnen-Is verbesserten nicht unbedingt die Lesbarkeit. Aber das Plenum schien es so beschlossen zu haben, und deswegen sollte auch alles vorgelesen werden.
Ehrlich gesagt wusste ich nicht, wofür, oder wogegen ich protestierte. Und genauso schien es den anderen auch zu ergehen, besonders demjenigen, der versuchte, das Flugblatt zu verlesen. Es schien irgendwas mit Nazis zu tun zu haben, wie ich am Rande mitbekam. Aber der Text war so kopflastig und kompliziert geschrieben, dass kein Interesse im Publikum bestand, ihn bis zum Ende zu hören.
Der einzige Grund, warum ich dort mitgemacht habe, war das Mädchen, dass die Sache mitorganisiert hat.
svennov - 31. Aug, 12:40
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ColaPernod (Gast) - 8. Sep, 19:22
Und was ist aus ihr geworden. Hat sie deine Leistung honorieren können, oder zumindest zur Kenntnis nehmen können?
svennov - 9. Sep, 11:49
Als ich über diese Aktion reflektierte, nachdem ich nach Hause zurückkehrte, leuchtete mir ein, dass ich nichts mit einem feministischen, Prostest l'art pour l'art betreibenden Mädchen anfangen kann. Auch wenn sie (leider) verdammt hübsch aussah.

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