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Montag, 30. März 2009

Zum Fische kaufen nach Apeldoorn

Kurz nachdem der Intercity von Schiphol nach Berlin Hengelo passiert hat, setzt sich ein Mann zu uns. Er spricht uns an, wirkt nervös, versucht eine Art Solidarität unter vermeintlichen Schmugglern zu provozieren, indem er uns ungefragt erzählt, dass der einzig vernünftige Grund, die Niederlande zu besuchen die illegale Einfuhr von Betäubungsmitteln nach Deutschland sei. Auf den Zweck meiner Reise angesprochen, sage ich, dass ich mir Architektur der de-stijl-Gruppe angeschaut habe und ernte ein verständnisloses Kopfschütteln. Meine Versuche, ihn für den Konstruktivismus der 1920er Jahre zu begeistern, scheinen an ihm abzuperlen.

Als der Zug Bad Bentheim erreicht, fordert er uns auf, den zehnminütigen Aufenthalt mit ihm bei einer Zigarette auf dem Bahnsteig zu verbringen. Sein Gepäck, das aus einer weißen Plastiktüte besteht, lässt er auf dem Sitzplatz neben uns zurück.

Es kam so, wie es kommen musste, wir werden von der Bundespolizei angesprochen und nach unseren Ausweisen gefragt. Mein Verdacht bezüglich der illegalen Aktivitäten des unbekannten Mitreisenden scheint sich auf die Beamten übertragen zu haben, nach einer Anfrage bei der Dienststelle wird er nach dem Grund seiner Reise gefragt. Er antwortet, dass er Fische gekauft habe, und zwar, wie er auf Nachfrage angibt, in Apeldoorn. "Unmöglich", sagt einer der Beamten und schüttelt seinen Kopf genauso, wie es der Mitreisende tat, als ich ihn mit meinem Interesse an niederländischer Architektur konfrontierte.

Meine Begleitung und ich dürfen gehen, die Beamten begleiten den Mitreisenden ins Wageninnere um sein Gepäck anzuschauen. Ich nehme wieder neben der weißen Plastiktüte Platz, er allerdings geht einfach weiter, die Beamten ihm hinterher. Nach einer Minute kommen sie wieder, er hat wohl in seiner Aufregung vergessen, wo sein Platz war. So ein Fischeinkauf in den Niederlanden scheint eine wirklich spannende Sache zu sein, ich stelle mir vor, wie zwei Kois in der Plastiktüte um ihr Überleben kämpfen und gleich von den Beamten gerettet werden. "Fehlt nur noch das Kamerateam", denke ich mir.

Als die Beamten die Plastiktüte sehen, funkeln ihre Augen kurz auf, einer der beiden entleert ihren Inhalt hastig auf die Sitze, während der andere die Jacken- und Hosentaschen des Mitreisenden durchsucht. In der Plastiktüte befinden sich Mandelhörnchen, eine Tüte Vla sowie eine halbvolle Tüte Kartoffelchips. Erwartungsvoll schauen alle Umstehenden den mit der Taschendurchsuchung beschäftigten Kollegen an, doch das dort gefundene Schlüsseletui, eine Schachtel Zigaretten und Kaugummis scheinen den Verdacht der Grenzschützer nicht zu erhärten und so verabschieden sie sich hektisch-frustriert.

Als der Zug den Bahnhof verlässt, wendet sich der Mitreisende abermals an uns um uns den Inhalt seines Schlüsseletuis zu zeigen. "Idioten", stößt er dabei in einem verachtungsvollen Tonfall mit russischem Akzent aus.

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