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Wofür gibt es ein Radio im Jaguar XK?

Ich weiß garnicht mehr so genau, wie ich auf Jaguar gekommen bin, aber plötzlich fand ich mich vor einem Jaguar XK Cabrio stehend wieder und betrachtete es ausführlich. Bei Jaguar wird Zurückhaltung anscheinend noch groß geschrieben: Obwohl sich mehrere augenscheinlich unbeschäftigte Mitarbeiter im Verkaufsraum befanden, wurde ich nicht angesprochen. Erst als ich von mir aus auf einen Mitarbeiter zugehe, läßt er sich dazu herab, mir einige Detailfragen bezüglich Integrationsmöglichkeiten von iPods/iPhones und Golfbagkapazität des Kofferraums zu beantworten.
Jetzt merkt er, dass ich Ahnung habe, zeigt mir von sich aus weitere Details. Abschließend überreiche ich ihm eine Visitenkarte und bitte um Zusendung von Prospekten und eines Angebots.
Zwei Tage später finde ich die gewünschten Daten sowie eine Einladung zur Probefahrt in meinem Briefkasten.
Ich lege den Termin auf einen Samstagvormittag und erscheine frisch ausgeschlafen mit einem maßgeschneiderten Hemd und einem Sakko aus dem Second-Hand-Laden, das mich keine zehn Euro gekostet hat. Der Verkäufer, der mich in einem kurzärmeligen Hemd mit einer Motivkrawatte empfängt, springt darauf an. Er finde den Button, den ich am Revers trage cool, sagt er.
Ich weiß nicht, ob ich mich wegen des billigen Anbiederns oder wegen der für einen über-vierzigjährigen unpassenden Wortwahl stärker fremdschämen soll.
Um mir die Zeit zu vertreiben, nehme ich mir eines der ausliegenden Golfmagazine und blättere gelangweilt darin. Als wäre das ein Signal gewesen, verläßt die schüchterne Empfangsdame ihr Versteck hinter dem Schreibtisch und fragt mich, ob sie mir einen Espresso bringen dürfe.
Nach einer kurzen Einweisung sitze ich am Steuer und öffne trotz durchwachsenem Wetter das Verdeck.
Schneller als mein Kopf denken kann, wird mein Körper in die Ledersitze gepresst und auf Tempo 90 beschleunigt; als ich realisiere, was gerade mit mir passiert, sehe ich im letzten Moment die rote Ampel und bringe den Jaguar trotzdem sicher zum Stehen.

Der Wagen hat eine klassische Karosserieform, ist sportlich, ohne dabei plump zu wirken, die Proportionen wirken für diese Klasse sehr zurückhaltend. Im Innenraum dominieren Leder und Wurzelholz, alles macht einen hochwertigen Eindruck. Allerdings fehlt mir im Innenraum etwas die Modernität: Die Instrumente und Ablagen sind zwar klassisch-sportlich gestaltet, wurden aber zu wenig den heutigen Bedürfnissen an Usability angepasst. Das beginnt bei dem schlecht zu bedienenden Multifunktionsdisplay, über das sogar die Klimaanlage gesteuert wird und setzt sich fort mit dem Abstandstempomat, der einfach nur Bullshit ist. Sorry, aber das ist ein Sportwagen, und selbst wenn ich herausgefunden hätte, wie man das blöde Ding bedient, hätte ich es immer noch für überflüssig gehalten. Die Automatik empfinde ich als veraltet, sie bietet zwar eine Tiptronic-Einstellung, schaltet mir aber in der Standardeinstellung zu ruckelig.

Ich liebe das Offenfahren mit dem XK8, weil man so den grandiosen Klang des 298 PS starken 8-Zylinder-Motors mit 4,2 Liter Hubraum ungefiltert genießen kann. Das Radio habe ich nach kurzem Probehören einer CD ausgeschaltet. Obwohl sich die Entwickler viel Mühe mit den Lautsprechern gegeben haben ist es in diesem Wagen einfach überflüssig.

Ich fahre nun zu J., mit der ich eine Verabredung zum Frühstück habe. Ich wecke sie, indem ich vor ihrem Schlafzimmerfenster beschleunige. Schlaftrunken begutachtet sie mein neues Auto für einen Tag. Natürlich will sie eine Runde mit mir drehen, allerdings macht es sich bemerkbar, dass sie den Tag zuvor feiern war und mir ziemlich ängstlich erscheint, was Beschleunigung und Geschwindigkeit anbetrifft.
Als ich hinter einer Ampel Richtung Autobahn beschleunige, rammt sie kreischend ihre spitzen Absätze in die mit Leder bezogene Beifahrerairbagabdeckung. Nicht gerade die feine englische Art, mit einem Sportwagen umzugehen, denke ich und beschleunige weiter. Die Frau wird hysterisch, was mich dazu veranlasst, sie an der nächsten Bushaltestelle abzusetzen und alleine auf die Autobahn zu fahren.
Auf dem Weg zurück zum Autohaus wird mir wenigstens bereitwillig auf der linken Spur Platz gemacht. Dort angekommen unterhalte ich mich noch kurz mit dem Verkäufer, der mir zum Abschied noch einige Jaguar-Golfbälle übergibt.
Nein, ich weiß nicht, was ich von diesem Auto halten soll. Irgendwie hat es keine richtige Seele. Deswegen bin ich immer noch auf der Suche nach einem guterhaltenen Jaguar XJS. Der kommt ohne den ganzen Schnick-Schnack aus und braucht keine Design-Zitate, weil er selbst die Quelle der Inspiration ist.

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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