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Donnerstag, 12. Februar 2009

12 Stunden im Mercedes CLS

Vor einiger Zeit kam ich zufällig auf die Internet-Seite von Mercedes-Benz, wo ich mich fragte, ob es nicht auch hier möglich sein könnte, eine Probefahrt zu machen. Nach genauer Begutachtung fiel ein Großteil der angebotenen Modelle durch mein Raster, weil sie größtenteils, zur Freude der Mercedes-Bank, von Konsummaterialisten-Proleten mit "Das-kann-ich-auch"-Einstellung als Phallusersatz benutzt werden. Stattdessen entschied ich mich wegen der schönen Karosserieform und den herausragenden Fahreigenschaften des letzten Probefahrtautos mit Dieselmotor für einen Mercedes CLS 320 CDI. Auf meine Anfrage erhielt ich ein wirres Fax und einige Tage später per Post den Prospekt mit Preisliste.

Eine Woche später traf ich mich mit dem Mercedes-Verkäufer um den CLS für eine Probefahrt abzuholen. Ich musste zwar etwas warten, allerdings wurde mir die Wartezeit durch ein ausgiebiges Frühstück in der zum Autohaus gehörenden Bar versüßt. Nach ein paar Minuten belanglosem Gerede mit einem (wer hätte es gedacht) schlecht angezogenen Verkäufer fand ich mich am Steuer des CLS wieder.
Das wirklich schlimme an Menschen mit Mundgeruch ist übrigens, dass sie ihn meistens nicht selbst riechen können. So kostete es mich einiges an Mühe, dem Verkäufer, der sich über mich beugte, um mir das Cockpit zu erklären, davon zu überzeugen, dass seine gutgemeinten Erklärungen nicht nötig seien.
Träge setzt sich das fast zwei Tonnen wiegende Dickschiff in Bewegung. Der Innenraum ist beliebig-komfortabel eingerichtet, leider wird dort nicht an die markante, sportliche Linie der Karosserie angeknüpft. Die Technik ist mir ein wenig zu kompliziert, so dass die Programmierung des Navigationssystems fast zu einem Unfall führt. Negativ fallen mir außerdem der laute und schwachbrüstige Motor (224 PS) und die langsam und spürbar ruckelig schaltende Automatik auf, da bin ich z.B. von Audi Besseres gewohnt. Lenkung und Straßenlage empfinde ich als sehr weich und fast schon schwammig.
Aber egal, schnell eine Flasche Sprudelwasser und eine Tüte Eiswürfel zur Kühlung gekauft und ab zu M., der ich versprochen habe, sie ein wenig in der Weltgeschichte herumzufahren. Sie findet das Auto sehr schön, aber etwas zu klobig und anmaßend; Ich kann ihr in diesem Punkt nicht widersprechen.
Von außen ist es zwar gestaltet wie ein viertüriger Sportwagen, allerdings merkt man im Innenraum und an den Fahreigenschaften, dass die Zielgruppe für dieses Fahrzeugkonzept jenseits der 50 angesiedelt ist.
Trotzdem macht der CLS wenigstens auf dem Supermarktparkplatz Eindruck. Was daran liegen mag, dass sich die einkaufenden Hausfrauen und Familienväter in einem Mittelstandsviertel von der durchaus gut anzusehenden Fassade, wegen der ich mir den CLS letztendlich ausgesucht habe, blenden lassen. Dennoch passt er dank seiner ausgewogenen Proportionen nicht in die Kategorie "Blender-Auto".
CLS
Ich suche einen Parkplatz, stelle die Sitze in eine bequeme Position, was Dank der elektrischen Verstellung schnell und einfach funktioniert. Nun wird das Sprudelwasser geöffnet, passende Gläser habe ich im Voraus besorgt, (ein Wagen in dieser Klasse und mit diesen Eigenschaften sollte m.E. wenigstens eine Minibar haben) dazu lege ich eine DVD in den eingebauten Player.
Gut, der CLS kann es nicht unbedingt mit meinem Lieblingskino (= MacBook in meinem Bett) aufnehmen, aber dafür fährt mein Bett auch keine 246 km/h, obwohl es auf Rollen steht. Außerdem hinterlassen die Ledersitze zumindest im Stand einen guten Eindruck, während der Fahrt überzeugen sie mich mangels Seitenhalt nicht.
Nach dem Film geht es über die Autobahn wieder zurück zum Autohaus; Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit die Höchstgeschwindigkeit erreichen, sind wir auch schon fast am Ziel angekommen. Der Pförtner, der uns empfängt, fragt, ob ich eine angenehme Fahrt gehabt habe. "Geht so", antworte ich ihm und steige an der nahegelegenen U-Bahn-Station in die nächste Bahn Richtung Limmerstr.

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