Das Novum der Interdisziplinarität am Bauhaus
Die Reklamewerkstatt und die Vernetzung von Theorie und Praxis
Die Werkstatt für Druck und Reklame des Bauhaus wurde 1925 gegründet. Herbert Bayer, erster Leiter der Abteilung, begann schon vorher mit eigenen Experimenten zur Bauhaustypographie und führte später Reklame als eigenständiges Lehrfach ein. Lehrinhalte waren Werbemittel, Werbebau, Werbeplan, Normung sowie Werbepsychologie. Diese Verknüpfung unterschiedlicher Wissenschaften in einem Fach war die erste in deutschen Ausbildungsstätten.
Zu der Zeit war im Bereich der Werbung an Kunstschulen die Ausbildung zum Werbegrafiker üblich, das Bauhaus bot eine Ausbildung zum Werbefachmann an, in deren Verlauf die Schüler ab dem ersten Semester schon praktisch arbeiten sollten, weitere Inhalte waren z.B. Differenzierung der Werbemittel, aufmerksamkeitserregende Gestaltung, Zeichnen sowie werbegerechter Einsatz von Fotografie und Film. Bayer propagierte die Ökonomisierung der Kommunikation durch Kleinschreibung von Texten und Normung von Papierformaten und Textanordnung getreu dem form-follows-function-Prinzip, dabei versieht er z.B. seine Briefe mit folgender Fußnote: "ich schreibe klein um zeit zu sparen". In der Reklamewerkstatt wurden auch externe Aufträge angenommen und die Drucksachen des Bauhaus durch Studenten hergestellt.
Josef Albers kritisiert nach seiner Auswanderung in die USA die theoretische Lehre als zu praxisfern, er fordert, aus der Schule in das richtige Leben zu gehen, um anstatt einzelner, isolierter Teile die Zusammenhänge zwischen ihnen zu studieren. Kunst solle als Teil des Lebens und nicht als geschichtliche Wissenschaft verstanden werden. Er erweitert den klassischen Kunstbegriff u.a. um Musik, Theater, Tanz, Fotografie, Film und Literatur. Dabei fordert er eine Modernisierung der Lehre, die sich mehr auf die Lösung aktueller Probleme spezialisiere und nicht nur auf "alte" Kunst beschränkt sei, welche seiner Meinung nach nicht zur heutigen Zeit passe und deren Daseinsberechtigung im Verständnis alter Zeiten und in der Schaffung eines Standards zur besseren Vergleichbarkeit aktueller Kunst liege.
Verglichen damit, dass es nicht als Religion zu bezeichnen sei, wenn man Sonntags in die Kirche gehe, zeuge es von keinem Kunstverständnis, Kunst nur in Museen zu sehen oder sie nur zu Zwecken der Unterhaltung und Entspannung zu benutzen.
Da sich die Kunst im Leben abspielt, solle man Studenten nicht zu Kunsthistorikern ausbilden sondern ihnen vielmehr künstlerisches Sehen, künstlerisches Arbeiten und - am Wichtigsten- künstlerisches Leben beibringen. Um dies zu erreichen solle die Kunst von ihrem dekorativem, abseitigem Platz ins Zentrum der Bildung gebracht werden, eine enge Kooperation der verschiedenen künstlerischen Disziplinen werde zeigen, dass ihre Probleme die Gleichen sind. Ausserdem fordert Albers eine Verzahnung von wissenschaftlichen mit künstlerischen Bereichen.
Studenten sollen anhand von aktuellen Beispielen lernen und nicht gezwungen werden, sich nur mit Kunst vergangener Epochen auseinanderzusetzen. Auch Film, Mode, neue Architektur, neue Möbel, moderne Musik, Werbung, Gestaltung von Briefpapier, Jazz und moderne Bilder sollen im Unterricht besprochen werden, um das Gesamtbild abzurunden.
"The pupil and his growing into his world are more important than the teacher and his background" (Albers 1935)
Ziel dieser Anstrengungen und Änderungen ist es, die Studenten so auszubilden, dass sie mit offenen Augen und ohne Vorurteile die Probleme der Zeit erkennen können und sich dabei nicht durch Fachgebiete einschränken lassen, sondern interdisziplinär denken, wissen, dass sich die Interessen und Bedürfnisse mit der Zeit verändern, kritisch gegenüber Traditionen sind aber trotzdem Respekt vor alten Werken haben und -am Wichtigsten-, dass sie wissen, dass die eigene Erfahrung und Entdeckung mehr wert ist, als aus Büchern wiedergegebenes Wissen. Kunst soll weder ein Kosmetiksalon der Natur sein, keine Imitation der Natur, keine Verschönerung und Unterhaltung; vielmehr eine intellektuelle Dokumentation des Lebens.
"Real art is essential life and essential life is art" (Albers 1935)
Quellen: Hans M. Wingler: Das Bauhaus. Bramsche-Köln 1975
Josef Albers: Art As Experience. Progressive Education October 1935
Die Werkstatt für Druck und Reklame des Bauhaus wurde 1925 gegründet. Herbert Bayer, erster Leiter der Abteilung, begann schon vorher mit eigenen Experimenten zur Bauhaustypographie und führte später Reklame als eigenständiges Lehrfach ein. Lehrinhalte waren Werbemittel, Werbebau, Werbeplan, Normung sowie Werbepsychologie. Diese Verknüpfung unterschiedlicher Wissenschaften in einem Fach war die erste in deutschen Ausbildungsstätten.
Zu der Zeit war im Bereich der Werbung an Kunstschulen die Ausbildung zum Werbegrafiker üblich, das Bauhaus bot eine Ausbildung zum Werbefachmann an, in deren Verlauf die Schüler ab dem ersten Semester schon praktisch arbeiten sollten, weitere Inhalte waren z.B. Differenzierung der Werbemittel, aufmerksamkeitserregende Gestaltung, Zeichnen sowie werbegerechter Einsatz von Fotografie und Film. Bayer propagierte die Ökonomisierung der Kommunikation durch Kleinschreibung von Texten und Normung von Papierformaten und Textanordnung getreu dem form-follows-function-Prinzip, dabei versieht er z.B. seine Briefe mit folgender Fußnote: "ich schreibe klein um zeit zu sparen". In der Reklamewerkstatt wurden auch externe Aufträge angenommen und die Drucksachen des Bauhaus durch Studenten hergestellt.
Josef Albers kritisiert nach seiner Auswanderung in die USA die theoretische Lehre als zu praxisfern, er fordert, aus der Schule in das richtige Leben zu gehen, um anstatt einzelner, isolierter Teile die Zusammenhänge zwischen ihnen zu studieren. Kunst solle als Teil des Lebens und nicht als geschichtliche Wissenschaft verstanden werden. Er erweitert den klassischen Kunstbegriff u.a. um Musik, Theater, Tanz, Fotografie, Film und Literatur. Dabei fordert er eine Modernisierung der Lehre, die sich mehr auf die Lösung aktueller Probleme spezialisiere und nicht nur auf "alte" Kunst beschränkt sei, welche seiner Meinung nach nicht zur heutigen Zeit passe und deren Daseinsberechtigung im Verständnis alter Zeiten und in der Schaffung eines Standards zur besseren Vergleichbarkeit aktueller Kunst liege.
Verglichen damit, dass es nicht als Religion zu bezeichnen sei, wenn man Sonntags in die Kirche gehe, zeuge es von keinem Kunstverständnis, Kunst nur in Museen zu sehen oder sie nur zu Zwecken der Unterhaltung und Entspannung zu benutzen.
Da sich die Kunst im Leben abspielt, solle man Studenten nicht zu Kunsthistorikern ausbilden sondern ihnen vielmehr künstlerisches Sehen, künstlerisches Arbeiten und - am Wichtigsten- künstlerisches Leben beibringen. Um dies zu erreichen solle die Kunst von ihrem dekorativem, abseitigem Platz ins Zentrum der Bildung gebracht werden, eine enge Kooperation der verschiedenen künstlerischen Disziplinen werde zeigen, dass ihre Probleme die Gleichen sind. Ausserdem fordert Albers eine Verzahnung von wissenschaftlichen mit künstlerischen Bereichen.
Studenten sollen anhand von aktuellen Beispielen lernen und nicht gezwungen werden, sich nur mit Kunst vergangener Epochen auseinanderzusetzen. Auch Film, Mode, neue Architektur, neue Möbel, moderne Musik, Werbung, Gestaltung von Briefpapier, Jazz und moderne Bilder sollen im Unterricht besprochen werden, um das Gesamtbild abzurunden.
"The pupil and his growing into his world are more important than the teacher and his background" (Albers 1935)
Ziel dieser Anstrengungen und Änderungen ist es, die Studenten so auszubilden, dass sie mit offenen Augen und ohne Vorurteile die Probleme der Zeit erkennen können und sich dabei nicht durch Fachgebiete einschränken lassen, sondern interdisziplinär denken, wissen, dass sich die Interessen und Bedürfnisse mit der Zeit verändern, kritisch gegenüber Traditionen sind aber trotzdem Respekt vor alten Werken haben und -am Wichtigsten-, dass sie wissen, dass die eigene Erfahrung und Entdeckung mehr wert ist, als aus Büchern wiedergegebenes Wissen. Kunst soll weder ein Kosmetiksalon der Natur sein, keine Imitation der Natur, keine Verschönerung und Unterhaltung; vielmehr eine intellektuelle Dokumentation des Lebens.
"Real art is essential life and essential life is art" (Albers 1935)
Quellen: Hans M. Wingler: Das Bauhaus. Bramsche-Köln 1975
Josef Albers: Art As Experience. Progressive Education October 1935
svennov - 7. Apr, 11:10
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