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Montag, 24. August 2009

Schützenfest

"Schnell sein, dabei sein, Gewinne, Gewinne, Gewinne, Gewinne, Gewinne..."

Eigentlich fing dieser sommerliche Tag wunderbar an: Sonnenschein, schöne Menschen auf der Limmerstr., eine gute Flasche Chardonnay nach Feierabend und die großartige Perspektive mit der Linden-Sekte in den menschlichen Zoo aka Proleten Schützenfest zu gehen.

Kurz nachdem uns das Taxi auf den Festplatz der Landeshauptstadt ausgespuckt hat wußte ich, warum ich mir dieses Programm nur einmal im Jahr antue. Soweit das Auge reicht sah ich nur schlechtaussehende, schlechtgekleidete Menschen, jugendliche Intensivtäter, Komasaufkinder und schnurrbarttragende Losverkäufer mit Kurzarmhemden, welche zu grottoider Musik den Schützenfestbesuchern für einen überteuerten Preis riesige Sponge-Bobs oder andere wahrscheinlich in Kinderarbeit gefertigten "Hauptgewinne" verkauften.
Am schlimmsten allerdings empfand ich das geballte Auftreten von adipösen Menschen, meistens in Begleitung von hochkalorischen Speisen, allerdings in Kombination mit einer Cola light, wahrscheinlich, weil man mal auf RTL2 eine Reportage gesehen hat und seitdem auf seine "schlanke Linie" zu achten versucht.

Obwohl ich sonst kein Freund staatlicher Reglementierungen bin, finde ich, dass man dieses geballte Zentrum optischer und akkustischer Umweltverschmutzung einzäunen und als Zutrittskriterium eine gewisse geistige Reife verlangen sollte.

Irgendwann im Laufe des Abends wurde noch Arnold Gehlens Theorie des Mängelwesens zitiert: Der Mensch sei von Natur aus mangelhaft an seine Umwelt angepasst, doch besitze er durch seine "Weltoffenheit" die Möglichkeit, selbige an seine Bedürfnisse anzupassen.
Was ja nichts anderes als die Geburt der Kultur ist. In Anbetracht des kulturellen Defizits auf dem Schützenfest fielen zu diesem Thema noch die Worte "menschliche Müllhalde", was, so schlimm, wie es sich auch anhört, leider empirisch bewiesen werden konnte.

Nachdem wir mit dem eigentlichen Grund unseres Besuches begonnen haben, dem Trinken von Lüttjen Lagen, vergaß ich schnell die visuelle und akustische Umweltverschmutzung um mich herum.
Pünktlich um 23.00 gingen überall die Lichter aus. War ja schließlich Familientag. Plötzlich sahen wir uns mit einer pöbelnden Bierstandbesitzerin konfrontiert, die sich darüber echauffierte, dass unsere spanischen Gäste mitgebrachtes Bier tranken. Unabhängig davon, dass wir ihre einzigen (zahlenden) Gäste an diesem Abend waren, die sicherlich 60 Euro in Lüttje Lagen investiert haben, hielt sie uns vor, dass das eine Frechheit sei und forderte uns auf, "Eure Flaschen mitzunehmen". Mein höfliches, deeskalierendes Angebot, dass "Sie den Pfandwert behalten dürfen" schien sie nicht mehr wahrgenommen zu haben.

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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