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Dienstag, 24. Februar 2009

Party in der Limmerstr.

Vor einer längeren Zeit kam ich in die Verlegenheit, mal wieder eine förmliche Einladung zu einem rauschenden Fest über meinen Verteiler zu jagen. Neben einem großartigen DJ, Bier und Sushi besorgte ich auch eine Flasche Rotwein und ein Paket Ohropax, da in die Wohnung unter mir, die vorher lange Zeit unbewohnt war, ein älterer Herr eingezogen war. Dazu schrieb ich ihm mit meinem Schönschreibfüller eine nette Karte, in der ich mich schon im Voraus für eventuell auftretende Unannehmlichkeiten entschuldigte und für diesen Fall die Benutzung der Ohropax und das Öffnen des (wirklich famosen) Rotweins empfahl.

Irgendwann, als das Sushi-Buffet schon leergegessen war, nachdem irgendwelche Idioten eine meiner doppelwandigen Bodum-Tassen zerstört haben, und die Scherben unter das Sofa kehrten (Ich konnte glücklicherweise den Übeltäter mittels eines Fahndungsfotos ausfindig machen und zur Verantwortung ziehen), kam ein Gast aufgeregt auf mich zu und meinte, dass die Polizei vor der Tür stünde. Ich hielt es zunächst für einen schlechten Scherz. Obwohl ich nicht davon ausging, mich mit einer Flasche Rotwein für 15 Euro von allen Gesetzen ausnehmen zu können, hätte ich schon gedacht, dass derjenige, den es stören könnte, vielleicht erstmal den Gastgeber ansprechen würde bevor er petzen geht.

Ich nahm einen großen Schluck Wasser und begab mich mit einem nachtblauen Anzug, zu dem ich aus unerklärlichen Gründen Pantoffeln aus dem Wellness-Bereich des Steigenberger trug, auf den Flur, um die Sache zu klären.
Die beiden Polizisten waren aber relativ entspannt, sie sagten, dass die Musik schon in Ordnung sei, aber ich doch darauf achten solle, dass die spitzen Frauenschreie nicht so nach Draußen dringen.
Nachdem die Freunde und Helfer trotz Senkung des Lärmpegels von Frauen und Musikanlage noch zwei weitere Male in dieser Nacht zu Besuch waren, traf ich den Nachbarn am späten Nachmittag zufälligerweise im Treppenhaus. Er sah sehr fertig aus und fast wollte ich mich schon bei ihm entschuldigen. Doch er machte mir die Entscheidung leicht, darauf zu verzichten, indem er lospöbelte und mir vorwarf, dass plötzlich das Licht und die Musik abgestellt worden seien und man ihm nicht die Tür geöffnet hätte, nachdem er mehrmals versucht hätte zu klingeln. Und die Idee mit dem Wein wäre auch dumm gewesen, fuhr er fort, da er ein trockener Alkoholiker sei.
Ich ließ den Griesgram schimpfend im Treppenhaus zurück und fragte mich stattdessen, wie man trotz akademischer Ausbildung in dieser Art und Weise Manieren und guten Geschmack vergessen konnte.
Seitdem herrscht in der Limmerstr. ein klassischer Nachbarschafts-Kleinkrieg, der leider kurz vor der Etappe, auf der das Handgreiflichkeitsniveau erreicht wird, eingefroren ist. Die letzte Begegnung wurde freitagmorgens um 10.30 Uhr nach Androhung körperlicher Gewalt aus dem Untergeschoss und prompter Erwiderung derselben durch einen bedeutend sportlicheren und kräftigeren Freund des Hauses in Kombination mit der Aufforderung beendet, dass "der trockene Alkoholiker doch erstmal eine Flasche Wein trinken solle um wieder klarzukommen".
Dass ich ein friedlicher Mensch bin, muss ich hoffentlich nicht extra betonen.

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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