Cebit 2009
Eine Messe in der Stadt, in der die Limmerstraße liegt? Kostenlos? Ab dafür!
Aber erstmal der Reihe nach:
Auf der einen Seite verfolgt die Cebit eine Strategie, mit der versucht wird, private Besucher von der Messe fernzuhalten, was u.a. mit astronomisch hohen Eintrittspreisen durchzusetzen versucht wird. Die Frage ist bloß, wer für diese Veranstaltung überhaupt Eintritt zahlt. An jeder Ecke gibt es massenweise Freikarten: Ich erinnere mich an das Barcamp in Hannover letztes Jahr, wo man mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit bei der Anmeldung gefragt wurde, wieviele Freikarten man denn haben wolle.
Viel scheint sich nicht geändert zu haben, eben tauchte der Link zu einer Freikarte für die Cebit in der Inbox eines meiner Spam-Postfächer auf. Versandt vom Messeveranstalter.
Egal, die Cebit macht ja gerade deswegen Spaß: Ich liebe es, die verpickelten, in nicht mehr passende Konfirmationsanzüge gequetschten 16-jährigen zu beobachten, die mit einer schüchternen Dreistigkeit nach allem fragen, was auch nur in entferntester Weise verwertbar erscheint.
Wenn sie nicht so blöd wären, würden sie sicherlich auch fragen, ob sie eine von den Hostessen mitnehmen könnten.
Wobei die Kombination des sich in diesem Alter langsam entwickelnden Testosterons mit Unmengen von Traubenzucker, Bonbons und Pfefferminz diese Konstellation gar nicht so unwahrscheinlich erscheinen lässt.
Aber sie sind ja geschäftlich unterwegs. Branche: Professionalisiertes Abgreifen von Werbegeschenken. Was der Anzug und eigens mit Word Art "gestaltete" Visitenkarten unterstreichen sollen. Einen Blumentopf gewinnen die Beutelratten mit dieser Strategie nicht, eher setzen sie sich für ein Mauspad dem Risiko aus, zwischen einer durch einen schnurrbarttragenden Moderator aufgepeitschten, nach Werbegeschenken und nackter Haut gierenden Menge zerquetscht zu werden.
Den größten Erfolg haben sie allerdings an südkoreanischen Computerzubehörständen, von denen sie freudestrahlend mit einem Bündel kostenloser CDs in Richtung der nächsten Abgreifmöglichkeit aufbrechen. Die zaghaft aufblühende Männlichkeit der Pubertierenden freut sich, dass das weibliche Standpersonal sie die ganze Zeit angelächelt hat und halten es für einen Ausdruck von Bewunderung. Dass auf den CDs bloß Treiber eines für den kasachischen Markt bestimmten und vor drei Jahren eingestellten USB-Tassenwärmers sind, bemerken sie allerdings erst am heimischen Rechner.
Nachdem meine anstrengenden Tag-Termine (irrelevante Informationen in Kombination mit Brezeln und Weißbier bei Microsoft, spannende Gespräche und Bionade bei Start-ups, überforderte Presse-Tanten bei der Telekom) abgeschlossen sind und ich mich von der ästhetischen Umweltverschmutzung erholt habe, fängt meine Lieblingszeit auf der Cebit an: Die Zeit der Standpartys. Menschen, die versuchen, miteinander zu feiern, aber schrecklich ungelenk dabei wirken, weil sie immer daran erinnert werden, dass sie ja eigentlich geschäftlich unterwegs sind und sich deswegen gezwungen fühlen, plumpe Networking-Versuche zu starten.
Vor ein paar Jahren habe ich einem solchen Kandidaten erzählt, dass ich mit meinem Kompagnon eine Modemfabrik in Nepal plane, weil es gerade Fördermittel dafür gebe. Ich saugte mir ein paar Kennzahlen aus den Fingern und streute regelmäßig Fachbegriffe in die Konversation. Als ich dann noch das überwältigende Medienecho erwähnte (das Stichwort damals war Corporate Social Responsibility) war er begeistert und wollte uns sofort mit Risikokapital versorgen. (Zum Verständnis: Ich war damals 16 oder so.) Er übergab mir eine teuer aussehende Visitenkarte.
Ein Jahr später schlug ich die Zeitung auf und erkannte den Namen auf der Visitenkarte wieder: Die dazugehörende Person sitze im Gefängnis, weil sie im Rahmen der platzenden Dotcom-Blase einige krumme Geschäfte gemacht haben soll. Zum Glück nicht mit mir.
Ich werde dieses Jahr auf jeden Fall dabei sein, vielleicht ergibt sich ja bei einem Wodka-Martini wieder die Gelegenheit, spannende Menschen kennenzulernen, mit denen man die nasehochziehenden Management-Proleten, die immer die Toiletten in der Nähe des Freenet-Stands blockieren, auslachen kann.
Ich warte bloß noch auf meinen Presseausweis.
Aber erstmal der Reihe nach:
Auf der einen Seite verfolgt die Cebit eine Strategie, mit der versucht wird, private Besucher von der Messe fernzuhalten, was u.a. mit astronomisch hohen Eintrittspreisen durchzusetzen versucht wird. Die Frage ist bloß, wer für diese Veranstaltung überhaupt Eintritt zahlt. An jeder Ecke gibt es massenweise Freikarten: Ich erinnere mich an das Barcamp in Hannover letztes Jahr, wo man mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit bei der Anmeldung gefragt wurde, wieviele Freikarten man denn haben wolle.
Viel scheint sich nicht geändert zu haben, eben tauchte der Link zu einer Freikarte für die Cebit in der Inbox eines meiner Spam-Postfächer auf. Versandt vom Messeveranstalter.
Egal, die Cebit macht ja gerade deswegen Spaß: Ich liebe es, die verpickelten, in nicht mehr passende Konfirmationsanzüge gequetschten 16-jährigen zu beobachten, die mit einer schüchternen Dreistigkeit nach allem fragen, was auch nur in entferntester Weise verwertbar erscheint.
Wenn sie nicht so blöd wären, würden sie sicherlich auch fragen, ob sie eine von den Hostessen mitnehmen könnten.
Wobei die Kombination des sich in diesem Alter langsam entwickelnden Testosterons mit Unmengen von Traubenzucker, Bonbons und Pfefferminz diese Konstellation gar nicht so unwahrscheinlich erscheinen lässt.
Aber sie sind ja geschäftlich unterwegs. Branche: Professionalisiertes Abgreifen von Werbegeschenken. Was der Anzug und eigens mit Word Art "gestaltete" Visitenkarten unterstreichen sollen. Einen Blumentopf gewinnen die Beutelratten mit dieser Strategie nicht, eher setzen sie sich für ein Mauspad dem Risiko aus, zwischen einer durch einen schnurrbarttragenden Moderator aufgepeitschten, nach Werbegeschenken und nackter Haut gierenden Menge zerquetscht zu werden.
Den größten Erfolg haben sie allerdings an südkoreanischen Computerzubehörständen, von denen sie freudestrahlend mit einem Bündel kostenloser CDs in Richtung der nächsten Abgreifmöglichkeit aufbrechen. Die zaghaft aufblühende Männlichkeit der Pubertierenden freut sich, dass das weibliche Standpersonal sie die ganze Zeit angelächelt hat und halten es für einen Ausdruck von Bewunderung. Dass auf den CDs bloß Treiber eines für den kasachischen Markt bestimmten und vor drei Jahren eingestellten USB-Tassenwärmers sind, bemerken sie allerdings erst am heimischen Rechner.
Nachdem meine anstrengenden Tag-Termine (irrelevante Informationen in Kombination mit Brezeln und Weißbier bei Microsoft, spannende Gespräche und Bionade bei Start-ups, überforderte Presse-Tanten bei der Telekom) abgeschlossen sind und ich mich von der ästhetischen Umweltverschmutzung erholt habe, fängt meine Lieblingszeit auf der Cebit an: Die Zeit der Standpartys. Menschen, die versuchen, miteinander zu feiern, aber schrecklich ungelenk dabei wirken, weil sie immer daran erinnert werden, dass sie ja eigentlich geschäftlich unterwegs sind und sich deswegen gezwungen fühlen, plumpe Networking-Versuche zu starten.
Vor ein paar Jahren habe ich einem solchen Kandidaten erzählt, dass ich mit meinem Kompagnon eine Modemfabrik in Nepal plane, weil es gerade Fördermittel dafür gebe. Ich saugte mir ein paar Kennzahlen aus den Fingern und streute regelmäßig Fachbegriffe in die Konversation. Als ich dann noch das überwältigende Medienecho erwähnte (das Stichwort damals war Corporate Social Responsibility) war er begeistert und wollte uns sofort mit Risikokapital versorgen. (Zum Verständnis: Ich war damals 16 oder so.) Er übergab mir eine teuer aussehende Visitenkarte.
Ein Jahr später schlug ich die Zeitung auf und erkannte den Namen auf der Visitenkarte wieder: Die dazugehörende Person sitze im Gefängnis, weil sie im Rahmen der platzenden Dotcom-Blase einige krumme Geschäfte gemacht haben soll. Zum Glück nicht mit mir.
Ich werde dieses Jahr auf jeden Fall dabei sein, vielleicht ergibt sich ja bei einem Wodka-Martini wieder die Gelegenheit, spannende Menschen kennenzulernen, mit denen man die nasehochziehenden Management-Proleten, die immer die Toiletten in der Nähe des Freenet-Stands blockieren, auslachen kann.
Ich warte bloß noch auf meinen Presseausweis.
svennov - 28. Jan, 20:05
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