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Donnerstag, 2. Oktober 2008

conventioncamp Hannover III

Die Session von Norbert Hillinger läuft gerade mal fünf Minuten und trotzdem kann ich jetzt schon sagen, dass es die schlechteste (professionelle) Präsentation ist, die ich jemals gesehen habe. Es ist 11 Uhr und Herr Hillinger redet eine so sinnloses Zeug, dass man am liebsten aufstehen würde und Bullshit rufen möchte. Hinzu kommt noch eine akustische Umweltverschmutzung mit sphärischen Klängen, die in die Präsentation eingebunden sind. Es geht um Microtrends, aber leider wird nichts über die Methoden erzählt, wie man diese Trends gefunden hat. Genau dies ist der Punkt der Kritik von Holger Rust an den Trendforschern: Sie reden die ganze Zeit von Keytrends, die sie sich selber aus den Fingern saugen.
Oh, jetzt redet er über online-Musikmagazine. Disco 2.0 am morgen. Hilfe, bitte erlöst mich. Jetzt kommen auch noch Videos über user-initiated Advertising...
Wenigstens steht er jetzt hinter dem Rednerpult, welches den Blick auf seine unterirdischen Schuhe verstellt.
Auf die Frage nach den Methoden der Trendforschung sagte Dillinger, dass es ein 15-köpfiges Expertenpanel gebe, welches wöchentlich zusammentreffe, um Trends zu analyseieren. Eine richtige Methode scheint es dabei nicht zu geben, Dillinger umschrieb es mit Erfahrungswerten. Das Geschäftsmodell von Trendone ist eine kostenpflichtige Trenddatenbank, aber die Trends werden wie am Fließband produziert: der Output soll bei 300 Trends pro Woche liegen. Ich frage mich, was die Jungs machen, wenn es nicht genug Trends zu Erfüllung der Zielvorgabe gibt. Es wird auch im Nachhinein nicht nachgeforscht, inwiefern die Trends sich bewahrheitet haben oder nicht. Willkommen in der Trend-Wegwerfgesellschaft.
PS: Dass er keine vernünftigen Manschetten oder gar ein gut sitzendes Sakko trug, muss ich nicht extra betonen.

Conventioncamp Hannover II

Eben hat Rene Glembotzky den Schwanzvergleich auf dem Conventioncamp gestartet (130 Millionen PI pro Monat). Rene who? Wir erinnern uns: Rene Glembotzky war derjenige, der den Verteiler der Kiezkollegen mit Werbung für seine damalige Community "openpeople" vollgespammt hat. Jetzt hat er ein anderes Projekt am laufen, aber nach der dritten Erwähnung von "2.0" habe ich aufgehört, zuzuhören. Ich glaube, dass ich hier heute eine Menge Spass haben werde. Das Catering ist auch in Ordnung, leider kann ich nicht am "Flying Lunch" teilnehmen, da ich zwischendurch in die Stadt muss, weil mein neues Hemd angekommen ist, welches ich wegen logistischer Probleme meiner Reinigung dringend benötige, um das Wochenende über mit nicht zerknitterten Hemden eingedeckt zu sein...

Conventioncamp Hannover

Warum sind die Leute auf diesen ganzen 2.0-Veranstaltungen immer so betont jugendlich? Wenn der (erwachsene) Geschäftsführer einer Werbeagentur auf der Opening-Session stolz auf seine schlechtaussehenden Turnschuhe hinweist, die er mit einer schlechtsitzenden aber gutaussehenden Anzughose kombiniert hat, kommt mir das schon sehr abstrakt vor. Und sowieso: Alle Leute fotografieren sich gegenseitig, das Publikum blitzt auf die Bühne und die Leute von der Bühne blitzen zurück. Voll die interaktive Kommunikation, ey. Ausserdem sitzt ein paar Reihen vor mir ein selbsternannter, ständig mit seinem iPhone herumspielender Trendforscher, dessen Firma (trendone.de; sorry, Links funktionieren gerade nicht) wir mal in einem Seminar bei Holger Rust auseinandergenommen haben. Nicht nur seine gewagten Thesen sondern auch seine billig aussehenden Schuhe, kombiniert mit (immerhin schwarzen, aber trotzdem...) Sportsocken sind für mich Motivation genug, seine Session um 10.30 zu besuchen...

No brown after six

Gestern war ich auf der warm-up-Party des Conventioncamps in einer schicken Agentur in der List. Die Diskrepanz zwischen gutangezogenen iPhone-Menschen und nerdigen Programmierern war eklatant. Aber am meisten verstört hat es mich, dass mindestens drei Angehörige der Business-Fraktion gegen die "no-brown-after-six-Regel" verstoßen haben. Da ich mich aber lieber den Kaltgetränken widmete, werde ich wahrscheinlich nie ihre Beweggründe erfahren. Vielleicht waren es ja sehr italophile Leute, die gerades aus ihrem Ferienhaus in der Toskana kamen (in Italien darf man sehr wohl braun tragen). Ich bin allerdings der Meinung, dass die Stadt, in der die Limmerstraße liegt, eher dem englischen Kulturkreis zuzurechnen ist und dementsprechend auch die o.a. Regel anzuwenden ist.
Der Legende nach ist diese Regel darauf zurückzuführen, dass die englischen Gentlemen tagsüber zur Arbeit die meist braunen Tweedsakkos trugen; auf dem Weg nach Hause war es meistens nicht auszuschließen, dass die Oberbekleidung mit Regen in Kontakt kam, was zu einer unangenehmen Konsistenz verbunden mit einem komischen Geruch führte. Da ein solcher Anblick und eine solche olfaktorische Belastung den Damen einer Abendgesellschaft selbstverständlich nicht zuzumuten war, einigte man sich dann auf die "No-brown-after-six-Regel".
Nächstes Mal werde ich über die A-gentleman-never-wears-brown-in-town-Regel und ihre Geschichte berichten.

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der alltägliche Wahnsinn zwischen Ihmezentrum und Kötnerholzweg, Uni, Büro und fremden Küchen, maßgeschneiderten Anzügen und ranzigen Clubs... Schreiben Sie mir unter svennov @ yahoo.de oder folgen Sie mir bei twitter: twitter.com/svennov

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