Postmoderne vs. Dandyismus
Er verabscheut alles Grelle, Laute, Parfümierte. Er ist gelegentlich ein Snob. Er kultiviert seine Kleidung und sein Auftreten. Die jederzeit passende elegante Kleidung zum Zeitvertreib kombiniert mit den formvollendeten Manieren eines Gentleman wird zum einzigen Lebenszweck erhoben. Die Niederungen anstrengender Erwerbsarbeit passen hingegen nicht zum großstädtischen, verweichlichten echten Dandy.
Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden. - Thomas Carlyle in Sartor Resartus, 1834.
Obige Definition ist sehr 0.8, die aktuelle Forschung geht eher der Frage nach, inwiefern sich der Dandy in Zeiten der postmodernen Beliebigkeit und der Massenkultur seine Nische sichern kann. Ein spannender Beitrag in dieser Debatte kommt von Susan Sontag: Sie führt den Begriff "Camp" ein: Camp arrangiert sich mit der Massenkultur, ohne auf den Ästhetizismus der vormodernen Dandys zu verzichten. Wenn schon die Güter im Zeitalter der mass customization nicht mehr einzigartig sind bzw. die Einzigartigkeit durch ihre ubiquitäre Verfügbarkeit und Vermarktung in Form von Massenprodukten ad absurdum geführt wurde, besinnt sich der Camp eben darauf, die Sachen, die er besitzt, wenigstens mit Stil zu besitzen.
Sontag begreift die Demokratisierung des Geschmacks (Baudelaire) als Chance für die Dandys 2.0, womit sie sich als Opfer der positiv gefärbten postmodernen Denkschemata zu erkennen gibt.
Erinnert mich an einen Gesprächsfetzen der letzten Nacht, in dem es darum ging, dass das Publikum in einem bestimmten Club alle Leute toll findet, die es nicht versteht. In den Zeiten der Postmoderne ist es ja auch wirklich schwer aus einem Club rauszufliegen (zumindest aus solchen verranzten Clubs, die ich normalerweise zu besuchen pflege): Bei einem Vorkommnis unter der sogenannten Hitlergruß-Schwelle wird sich noch nicht einmal jemand umdrehen. Wobei: Mir fällt mindestens ein Laden an, in dem die affektierten Besucher ob der einzigartigen Provokation applaudieren würden.
Und da wären wir wieder beim Thema: So lange es schlechten Geschmack gibt, wird es auch immer Dandys geben.
Vgl.:
http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,3,0,Der_moderne_Dandy.html
Der Dandy ist ein Mann, dessen Status, Arbeit und Existenz im Tragen von Kleidung besteht. Er widmet jedes Vermögen seiner Seele, seines Geistes, seiner Geldbörse und seiner Person heldenhaft der Kunst, seine Kleidung gut zu tragen: Während die anderen sich kleiden um zu leben, lebt er, um sich zu kleiden. - Thomas Carlyle in Sartor Resartus, 1834.
Obige Definition ist sehr 0.8, die aktuelle Forschung geht eher der Frage nach, inwiefern sich der Dandy in Zeiten der postmodernen Beliebigkeit und der Massenkultur seine Nische sichern kann. Ein spannender Beitrag in dieser Debatte kommt von Susan Sontag: Sie führt den Begriff "Camp" ein: Camp arrangiert sich mit der Massenkultur, ohne auf den Ästhetizismus der vormodernen Dandys zu verzichten. Wenn schon die Güter im Zeitalter der mass customization nicht mehr einzigartig sind bzw. die Einzigartigkeit durch ihre ubiquitäre Verfügbarkeit und Vermarktung in Form von Massenprodukten ad absurdum geführt wurde, besinnt sich der Camp eben darauf, die Sachen, die er besitzt, wenigstens mit Stil zu besitzen.
Sontag begreift die Demokratisierung des Geschmacks (Baudelaire) als Chance für die Dandys 2.0, womit sie sich als Opfer der positiv gefärbten postmodernen Denkschemata zu erkennen gibt.
Erinnert mich an einen Gesprächsfetzen der letzten Nacht, in dem es darum ging, dass das Publikum in einem bestimmten Club alle Leute toll findet, die es nicht versteht. In den Zeiten der Postmoderne ist es ja auch wirklich schwer aus einem Club rauszufliegen (zumindest aus solchen verranzten Clubs, die ich normalerweise zu besuchen pflege): Bei einem Vorkommnis unter der sogenannten Hitlergruß-Schwelle wird sich noch nicht einmal jemand umdrehen. Wobei: Mir fällt mindestens ein Laden an, in dem die affektierten Besucher ob der einzigartigen Provokation applaudieren würden.
Und da wären wir wieder beim Thema: So lange es schlechten Geschmack gibt, wird es auch immer Dandys geben.
Vgl.:
http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,3,0,Der_moderne_Dandy.html
svennov - 12. Aug, 17:35
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